Bauhaus-Universität Weimar

Der ruhende Mnskelstr. bei künstl.Querschn. Neigungsströme. Mittelb.Querschn. 193 
setze des Muskelstroms folgen. Spaltet man ferner den Muskel in der 
Richtung seiner Faserung, legt man „künstliche Längsschnitte“ an, so 
verhalten sich diese hinsichtlich ihrer Spannungen wie die natürliche 
Längsoberfläche. 
Hieraus ergiebt sich, dass jede einzelne Muskelfaser, von 
zwei künstlichen Querschnitten begrenzt, einen electromotorischen Cy¬ 
linder von den genannten Eigenschaften darstellt; wie weit ein solcher 
Cylinder verkürzt werden dürfe, ohne dass diese Eigenschaft schwindet, 
lässt sich nur vernmthungsweise angeben. Ferner ist durch Nichts er¬ 
wiesen, ob die Längsspaltung, wenn sie noch weiter ginge als bis zur 
Isolirung einer einzelnen Muskelfaser, noch wirksame künstliche Längs¬ 
schnitte liefern würde. 
Scheinbare Abweichungen von den eben angeführten Gesetzen zeigt 
ein Muskelcylinder, dessen Querschnitte zur Axe nicht vertical, sondern 
schräg gelegt sind.1 Die Curve grösster positiver Spannung entspricht, 
wenn beide Schrägschnitte parallel sind, nicht, wie man erwarten könnte, 
einem ihnen parallelen mittleren Schrägschnitt, sondern einer nach den 
-stumpfen Kanten hin verzogenen Curve; entsprechend ist der Punct 
grösster negativer Spannung am Querschnitt von der Axe gegen die 
scharfe Kante verschoben. Ein ableitender Bogen, dessen Fusspuncte 
in einem Meridian gleichweit vom Aequator liegen, ist also nicht strom¬ 
los, sondern zeigt einen im Muskel von der scharfen zur stumpfen Kante 
gerichteten Strom an. Die „Muskelrhomben“ sind also Sitz eigenthüm- 
licher Ströme, welche sich zu dem gewöhnlichen algebraisch summiren, 
und anscheinend von den scharfen zu den stumpfen Kanten gerichtet 
sind; man nennt sie „Neigungsströme“. Dieselben entstehen auch 
durch blosses Schiefziehen eines gewöhnlichen Muskelcylinders.2 
Unter „künstlichem Querschnitt“ im weiteren Sinne ist jede nicht 
natürliche quere Begrenzung lebender Muskelfasern zu verstehen. Ist 
ein Stück einer Faser getödtet, so verhält sich dasselbe wie ein indiffe¬ 
renter Leiter, welcher der Grenzfläche des lebenden Restes, dem 
künstlichen Querschnitt angelegt ist. Auch an der mit dem Messer her¬ 
gestellten Schnittfläche liegt, ausser im ersten Augenblick, der eigent¬ 
liche künstliche Querschnitt der Fasern nicht unmittelbar bloss, son¬ 
dern ist von einer abgestorbenen Schicht bedeckt. Tödtet man einen 
Theil des Muskels durch Aetzen, hohe Temperaturen u. dgl., so ge¬ 
winnt man stets eine indifferente Ableitung von tiefer liegenden künst¬ 
lichen Querschnitten; man bezeichnet diese abgestorbenen Stücke, 
welche für die Ableitung vom eigentlichen Querschnitt oft grosse Vor- 
1 du Bois-Reymond, Arcb. f. Anat. u. Physiol. 1863. S. 521. (Ges. Àbh. II. S. 63.) 
2 du Bois-Reymond , Monatsber. d. Berliner Acad. 1866. S. 387. (Ges. Abh. IL 
S. 183.) 
Handbuch der Physiologie. Bd. I. 
13
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.