Bauhaus-Universität Weimar

182 Hermann, AJlg. Muskelphysik. 8. Cap. Galvanische Erscheinungen am Muskel. 
wandert. Umgekehrt sind die SiEMENs’schen Glockenmagnete \ welche 
in einer kugligen Dämpfhülse aufgehängt sind, so stark gedämpft und 
dabei von so geringem Trägheitsmoment, dass sie selbst ohne Astasie 
aperiodisch sich bewegen. Die gewöhnlich angewandten (Wiedemann- 
schen) Schlittenbonssolen macht man dadurch aperiodisch, dass man, unter 
beständiger Corrigirung des Meridianstellung, den HAUv’schen Stab so lange 
der Boussole nähert, bis die Aperiodicität erreicht ist. 
D) Weitere Bemerkungen. 
Gradezu schädlich ist die Dämpfung, wo es sich um Beobachtung 
äusserst schwacher und nur momentan wirkender Ströme handelt.* 2 Schon 
bei der PouiLLET’schen Zeitmessung, obwohl man hier die Ströme beliebig 
stark nehmen kann, ist gänzliche Entfernung der Dämpfhiilse rathsam; 
einmal weil die Berechnung der Zeiten in diesem Falle einfachei ist, viel 
mehr noch, weil bei gedämpftem Magnet die in der Formel vorkommende 
Schwingungsdauer % die des Magneten ohne Dämpfung ist; man kann 
aber den Magneten nicht zur Beobachtung der Schwingungsdauer aus der 
Dämpfhülse heraus nehmen, sobald derselbe astatisirt ist; denn er muss 
in diesem Falle in der gegebenen Entfernung vom HAUv’schen Stabe be¬ 
obachtet werden. Wo es vollends sich um Beobachtung momentan ge¬ 
schlossener Muskelströme handelt, kommt noch die Frage der Empfind¬ 
lichkeit hinzu ; ein gegebener Stromstoss lenkt den gleichen Magneten bei 
gleicher Astasie ab: 
c 
im ungedämpften Zustande um — 
„ gedämpften „ „ ~ ~ * arc^T 
c 
„ aperiodischen „ „ ~n7e' 
Die Empfindlichkeit ist also im ersten Falle am grössten, und zwar 2,72 
mal so gross als im letzten. In solchen Fällen muss man also die Dämpf¬ 
hülse entfernen, was die Boussolen neuerer Construction gestatten. Sehr 
zweckmässig kann man dann zur Erhöhung der Empfindlichkeit den so 
gewonnenen Raum mit Hülfsrollen ausfüllen 3, die freilich nun wieder 
ein wenig dämpfend wirken.4 
Je höher der Grad der Astasie, um so mehr unterliegt die Gleich¬ 
gewichtsstellung langsamen Schwankungen, die theils in den Variationen 
der Declination, theils in solchen der Intensität ihren Grund haben.5 Sel- 
1 Beschrieben von du Bois-Reymond, Monatsber. d. Berliner Acad. 1873. S. 748. 
(Ges. Abh. I. S. 353.) 
2 Hermann. Arch. f. d. ges. Physiol. X. S. 52. 1874; XV ._S. 202. 18m. 
3 Vgl. Hermann, Arch. f. d. ges. Physiol. XV. S. 204. 1877. 
4 Zur Beruhigung des ungedämpften Magneten ist es am zweckmässigsten aut 
den Boussolschlitten eine Hülfsrolle aufzuschieben, durch welche man vom Platze 
aus einen sehr schwachen Stromzweig durch kurze schnellende Schliessungen eines 
federnden Contacts senden kann; die dadurch bewirkten. Ablenkungen lässt man 
jedesmal eintreten, wenn der Magnet in entgegengesetzter Richtung durch die Gleich¬ 
gewichtslage geht. 
5 du Bois-Reymond , Monatsber. 
d. Berliner Acad. 1874. S. 767. (Ges. Abh. I. 
S. 368.)
        

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