Bauhaus-Universität Weimar

Formveränderang im Allgemeinen. Verhalten des Volums. 
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Muskeln an einem sehr feinen, in verdünnter Salz- oder Zuckerlösung 
schwimmenden Aräometer, und sah dasselbe beim Tetanus nicht sin¬ 
ken. Ein positives Resultat erhielt dagegen Valentin1; er tetani- 
sirte Murmelthiermuskeln, welche an einer hydrostatischen Wage 
hingen und in verdünnte Eiweisslösung untertauchten, und beobach¬ 
tete, dass ihre Dichte im Tetanus bis um lJnio zunahm. Wenn in- 
dess die Volumabnahme einzelner Muskeln beim EnMAN’schen Ver¬ 
fahren den Verdacht eingeschlossener Luftblasen zulässt, so gilt 
dieser auch für den VALENTiN’schen Versuch. — Sollten die Versuche 
über die Volumabnahme, was sehr wünschenswerth wäre, wiederholt 
werden, so würde sich empfehlen, zugleich mit geeigneter Einrichtung 
des Apparats nachzusehen, welcher Grad von Compression dazu 
gehört, um eine gleiche Volumverminderung zu erzielen, wie sie die 
Contraction macht ; wäre hierzu ein hoher Druck erforderlich, so 
wäre der Verdacht der Luftblasen ausgeschlossen; genügt niederer 
Druck, so bleibt er zunächst bestehen. Einen hohen Grad von 
Wahrscheinlichkeit würde die physiologische Volumabnahme durch 
die analoge Erscheinung bei der Erstarrung erhalten (s. das 6. Capitel), 
wenn nicht letztere ähnliche Einwände zuliesse. 
Die Gestaltveränderung des Muskels ergiebt sich aus derjenigen 
seiner einzelnen Fasern. Sind dieselben parallel und zu einem cy- 
lindrischen Körper vereinigt, so verkürzt sich der Cylinder um so 
viel wie eine einzelne Faser, und verdickt sich um so viel wie die 
Summe der Verdickungen aller Fasern beträgt. Verwickeltere Fälle 
treten ein, wenn die Fasern des Muskels nicht parallel sind; die Ab¬ 
leitung der resultirenden Gestaltänderung des Muskels aus der seiner 
einzelnen Fasern kann hier ziemliche Schwierigkeiten darbieten. Die 
Principien, nach denen solche Fälle behandelt werden, sind Gegen¬ 
stand der speciellen Bewegungslehre. 
II. Microscopisclie Erscheinungsweise der Zusanimenzielmng. 
Um Muskelfasern im erregbaren Zustande unter das Mircoscop zu 
bringen, wählt man solche Muskeln, die so gut wie keine Präparation 
erfordern, am besten dünne Muskeln vom Frosch oder von Insecten. Zur 
Erregung dient der von Ed. Weber2 erfundene Objectträger mit aufge¬ 
klebten Stanniolplatten, welche als Electroden dienen und zwischen sich 
nur soviel Raum lassen, dass das kleine Object die Lücke überbrücken 
kann. Alle später an dieser Vorrichtung angebrachten Modificationen 
1 Valentin, Molesch. Unters. X. S. 265. 1866. 
2 Weber, Wagner’s Handwörterb. d. Pbysiol. III. 2. S. 62.1846.
        

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