Bauhaus-Universität Weimar

Gesetz der Reizerfolge. 
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gewisser Grenzen der Reizgrösse proportional; unterhalb einer 
gewissen Reizintensität, welche Fick als „Schwellenwerth“ bezeich¬ 
net, ist die Wirkung Null1, oberhalb einer andern constant. Die 
Reize waren sehr kurzdauernde Kettenströme oder Inductionsströme. 
Die Versuche wurden zwar ebenso wie die von Tiegel (a. a. 0.) mit 
indirecter Reizung angestellt, so dass eine ganze Kette von Aus¬ 
lösungen stattfand; wenn jedoch die Beziehung zwischen Anfangs¬ 
und Endglied eine einfach proportionale ist, so ist sie es auch mit 
höchster Wahrscheinlichkeit in den Zwischengliedern. 
Bei immer weiterer Steigerung der Reizgrösse, sei es durch Erhöhung 
der Stromintensität, sei es durch Verlängerung der Schlussdauer (s. S. 96), 
tritt noch eine weitere gradlinige Steigerung der bis dahin constanten 
maximalen Wurf höhe auf, und diese „übermaximalen Zuckungen“ erreichen 
dann ein zweites Maximum. Diese'viel discutirte Erscheinung2, welche 
Lamansky (a. a. 0.) als Folge einer Summation von Reizen, zu welcher 
verschiedene Anlässe da seien, zu erklären versucht hat, findet bei directer 
Reizung nicht statt, ihre Ursache muss also im Nerven liegen, bei wel¬ 
chem sie näher besprochen werden wird. Dasselbe gilt von den Modi¬ 
fikationen der untermaximalen Reizwirkung durch eingeschobene stärkere 
Reize (Tiegel, Rossbach & Harteneck), sowie von der von Fick, Lamansky 
und Tiegel beobachteten Erscheinung, dass es bei beständiger Steigerung 
indirect reizender Inductionsströme ein wirkungsloses „ Intervall “ gibt, ob¬ 
gleich schwächere und stärkere Ströme wirken (vgl. Band IL). 
Der Versuch Preyer’s, für die Beziehung zwischen Reiz und Muskel- 
thätigkeit ein dem (nach neueren Untersuchungen unrichtigen) psycho¬ 
physischen Gesetz von Fechner analoges „ myophysisehes “ Gesetz aufzu¬ 
stellen, beruht auf Irrthümern, so dass es genügt, hier die bezügliche 
Literatur anzuführen.3 
Der Unterschied zwischen meinem und Fick’s Resultat erklärt 
sich daraus, dass in beiden Untersuchungen ganz verschiedene Func¬ 
tionen des Muskels betrachtet wurden. Denn nichts spricht dafür, 
dass die Kraft, welche der Muskel in Folge der Reizung bei Fest¬ 
haltung auf seiner Ruhelänge erreicht, proportional sei der Wurfhöhe, 
welche er in Folge der Reizung ausführt. Da aber letztere Grösse, 
wie wir gesehen haben, von sehr vielen Bedingungen abhängt, so 
1 Jedoch fand Fick, dass diese unwirksamen Reize bei häufiger Aufeinander¬ 
folge sich zu tetanisirender Wirkung superponiren. 
2 Vgl. Fick, a. a. 0.; ferner Vjschr. d. naturf. Ges. in Zürich XI. S. 48. 1866; 
Lamansky, med. Centralbl. 1867. S. 577; Studien d. physiol. Instit. zu Breslau IV, 
S. 146. 1868; med. Centralbl. 1869. S. 17. 241, 804; A. B. Meyer, Beiträge zur Lehre 
von der electrischen Nervenreizung. Zürich 1867 ; med. Centralbl. 1868. S. 721 ; 1869! 
S. 161 ; J. J. Müller, Unters, aus d. Züricher physiol. Labor. S. 98. Wien 1868 ; Fick, 
med. Centralbl. 1869. S. 611; Studien über electrische Nervenreizung. Grat.-Sehr. f. 
E. H. Weber. Würzburg 1871 ; Würzburger Verh. N. F. II. S. 145. 1871. 
3 Vgl. Preyer, Arch. f. d. ges. Physiol. V, S. 294,483, VI. S. 237,567, VII. S. 200. 
1872—1873 ; Das myophysische Gesetz. Jena 1873 ; Ltjchsinger, Arch. f. d. ges. Phy¬ 
siol. VI. S. 295,642, VIII. S. 538 ; Bernstein, ebendaselbst VI. S. 403, VII, S. 90.
        

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