Bauhaus-Universität Weimar

Die Fistelstimme. Aeussere Merkmale. 
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presste. Ein beliebig verstärkter Luftdruck liess dann niemals die 
Stimme — wie sonst häufig — in das Fistelregister überspringen, 
sondern es erhielten sich stets die tieferen Töne des Brustregisters. 
B) Die Fistelstimme. 
Eigenschaften und Mechanismus der Fistelstimme. 
1) Aeussere Merkmale der Fistelstimme. 
Die Fistelstimme weist folgende charakteristische Eigentümlich¬ 
keiten auf. Sie ist der Regel nach 1) nicht so tief, 2) nicht so 
kräftig, 3) nicht so voll und reich an Obertönen wie die Bruststimme, 
und ihre Hervorbringung veranlasst in uns — wenn wir uns nicht 
besonders darauf eingeübt haben — das Gefühl der Spannung und 
Anstrengung des Kehlkopfes und seiner Umgebung. 
Sobald wir uns anschicken, einen Fistelton zu erzeugen, wird, 
ähnlich wie bei der Bruststimme, der Kehlkopf und zwar ziemlich 
hoch und nahe dem Zungenbein fixirt. Dabei wird er zugleich durch 
die an seine hintere Partie sich ansetzenden Muskeln (die Constric- 
toren) nach hinten gezogen und an der Wirbelsäule festgehalten. 
Das Ansatzrohr ist in Folge der hohen Kehlkopfstellung ver¬ 
kürzt, der Mund, namentlich bei den höchsten Tönen weit geöffnet. 
Ausserdem beobachtet man, dass die in der Nachbarschaft des Kehl¬ 
kopfes liegenden Muskeln in erhöhte Spannung gerathen und hier¬ 
durch gewisse Formveränderungen im Ansatzrohre bedingen. Das 
Gaumensegel hebt sich in die Höhe, das Zäpfchen verschwindet bei 
sehr hohen Tönen nicht selten ganz durch Contraction des Azygos 
uvulae und die hinteren Gaumenbögen treten straff gespannt der 
Mittellinie näher, so dass sie dann einem spitzen gothischen Fenster 
nicht unähnlich sind. 
Das Ansatzrohr und seine Umgebung ist zugleich aus noch näher 
zu beschreibenden Gründen bei der Fistelstimme vorzugsweise Re¬ 
sonanzapparat. Während bei der Bruststimme die Töne aus der Tiefe, 
aus der Brust, zu kommen scheinen, dünkt es dem Laien jetzt, als 
entständen sie viel höher, in dem Ansatzrohr und seiner Umgebung, 
in dem Kopfe ; daher die Fistelstimme auch vielfach Kopfstimme ge¬ 
nannt worden ist. 
Es ist ungemein leicht, sich davon zu überzeugen, dass bei der 
Fistelstimme der Thorax fast gar nicht, die Kopfknochen dagegen 
unter günstigen Bedingungen (s. S. 93) nicht unbedeutend erzittern. 
Die aufgelegte Hand giebt darüber Auskunft. Dabei ist aber — wie 
Rossbach mit Recht bemerkt — die Resonanz der Kopfknochen bei
        

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