Bauhaus-Universität Weimar

Stimmbildung im lebenden Keblkopf. 
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sobald die Stimmbänder (wahrscheinlich ungleichmässig) entspannt werden. 
Man hört entweder zwei Töne oder, was gewöhnlich, ein trommelndes Ge¬ 
töse neben einem Tone. 
III. Die Stimmbildung im lebenden Kehlkopfe. 
1. Beobachtung des blossgelegten Kehlkopfes. 
Die ersten rationellen Versuche, um die Thätigkeit des Kehl¬ 
kopfes während der Stimmgebung zu beobachten, machte Magendie, 
der bei Hunden zwischen dem Zungenbeine und dem Kehlkopf in die 
Tiefe einging und den tönenden Kehlkopf direkt beobachtete. Da¬ 
bei stellte er, so wie alle diejenigen, welche nach ihm in ähnlicher 
Weise experimentirten (Malgaigne, Longet), fest, dass für die Er¬ 
zeugung der Stimme die gegenseitige Annäherung der Giessbecken¬ 
knorpel unerlässliche Bedingung sei; steht die Stimmritze offen, 
so bildet sich nie ein Ton. Ist dagegen nur die Glottis intercarti- 
laginea geöffnet, sei es, dass man wie Malgaigne ein Stückchen 
Holz quer dazwischen steckt, sei es, dass sie — in seltenen Fällen 
— spontan offen bleibt, so entsteht noch sehr wohl ein Ton, der 
sich an Höhe und Intensität verändert, sobald dieser Raum sich ver- 
grössert oder verkleinert (Longet). 
Entsprechend diesen Beobachtungen am Thiere hat man auch 
in einigen seltenen Fällen den Kehlkopf des Menschen auf dieselbe 
Weise zugänglich gefunden. Meistens waren es Leute, die beim Ver¬ 
suche des Selbstmordes sich durch einen scharfen Schnitt die Gegend 
oberhalb der Stimmbänder verletzten und diese sodann dem Auge 
des Beobachters blosslegten1, oder Personen, die in Folge patholo¬ 
gischer Processe (gewisser Defecte) einen directen Einblick in ihren 
Kehlkopf gestatteten.2 Allgemein wird hierbei angegeben, dass bei 
der Stimmbildung die Glottis sich von vorn bis hinten schliesst und 
die Stimmbänder heftig erzittern. 
2. Beobachtungen mit dem Kehlkopfspiegel und anderen Hilfsmitteln. 
Diese seltenen Beobachtungen waren nicht danach angethan, die Lehre 
von der Stimmbildung des Menschen über allen Zweifel zu erheben. 
Dieses ward vielmehr erst möglich durch den Kehlkopfspiegel. Nichts 
ist bekanntlich einfacher, als sein Princip, das aus umstehender Abbil¬ 
dung (Fig. 49) zu ersehen. Die von dein Punkte a ausgehenden Licht- 
1 Siehe Merkel, Anthropophonik S. 592, woselbst mehrere Fälle zusammen¬ 
gestellt sind. 
2 Rtjdolphi, Physiologie II. S. 370.
        

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