Bauhaus-Universität Weimar

56 Grützner, Physiologie der Stimme und Sprache. 2. Cap. Stimmbildende Apparate. 
messer des Stimmbandes, wie wir dies in ähnlicher Weise von dem Thyreo- 
aryt. ext. (siehe Fig. 35) gesehen, und verschärfen seinen medialen Rand. 
Diese soeben vorgetragene Auffassung widerspricht der von Ludwig 
herrührenden, welcher die Thätigkeit der Portio ary*vocalis in folgender 
Weise schildert.1 „Diese Fasern ziehen insgesammt das Stimmband nach 
unten und aussen und insoweit sie sich gesondert zusammenziehen können, 
werden sie dem Stimmband nach seiner Länge ungleiche Spannungen er- 
theilen können, indem die zwischen dem Ursprung der zusammengezogenen 
Fasern am Aryknorpel und ihrem Ansatz am Stimmbande gelegene Ab¬ 
theilung des letzteren abgespannt und der Rest desselben angespannt wird. “ 
Wenn wirklich bei der Stimmgebung die inneren Partieen des Stimm¬ 
bandes nach unten und aussen gezogen und auch dorthin bewegt würden, 
könnten die Stimmbänder bei der Stimmbildung nie so genau schliessen, 
wie sie es factisch thun, sondern würden einen mehr oder weniger breiten 
Spalt bilden müssen. Die Bewegung, d. h. der wirksame Zug erfolgt denn 
auch nicht nach unten und aussen, sondern nach innen und oben, wie 
der Kehlkopfspiegel lehrt. Ist daher der M. vocalis gelähmt, so vermisst 
man bei der Phonation die Erhebung des Stimmbandkörpers nach innen 
und oben und die Stimmritze klafft dann, wie kürzlich Juracz2 vermittelst 
der seitlichen Beleuchtung beobachtet hat, weniger in einem horizontalen 
als schrägen Spalt. Das kranke Stimmband steht nämlich mit seinem 
medialen Rande verhältnissmässig tief unter dem gesunden, erreicht aber 
beinahe die sagittale Mittellinie des Kehlkopfes. 
Dass ' endlich der Muskel, wenn er sich als Ganzes contrahirt, dem 
Stimmbande eine nicht unerhebliche Resistenz und Festigkeit ver¬ 
leiht, ist aus seinem Bau ohne Weiteres verständlich und geht ausserdem 
aus Beobachtungen von Gerhardt hervor, der bei Lähmung des Muskels 
das kranke Stimmband während der Stimmbildung schlottern sah. 
5) Muskeln zwischen dem Kehldeckel und anderen Knorpeln. 
Alle die zarten Muskeln sind für die Stimmbildung insofern von 
Bedeutung, als eine Lage oder Gestaltsveränderung jener elastischen 
Platte, des Kehldeckels, die Stimme zwar weder erzeugen noch auf- 
heben kann, wohl aber auf die Klangfarbe derselben einen nicht zu 
unterschätzenden Einfluss ausübt. 
a. Der M. ary-epiglotticus oder Constrictor vestibuli laryngis (Luschka) 
besteht aus dem Arytaenoideus obliquus der Autoren und Fasern, 
welche von dem Muskelfortsatz des Giessbeckenknorpels aus sich 
theils in die Plicae ary-epiglotticae begeben, theils auf der Epiglottis 
selbst strahlenförmig enden. Als Wirkung dieses „Muskelgürtels“ 
bezeichnet Luschka mit Recht die Verkleinerung des Vestibulum 
laryngis derart, dass die obere Kehlkopfapertur in eine enge sagittale 
Spalte umgewandelt werden kann. 
1 C. Ludwig, Lehrbuch der Physiologie I. S. 576. Leipzig u. Heidelberg 1858. 
2 Juracz, Deutsche med. Wochenschr. 1878. Nr. 52.
        

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