Bauhaus-Universität Weimar

54 Grützner, Physiologie der Stimme und Sprache. 2. Cap. Stimmbildende Apparate. 
Stimmbandes1 etwa aus dem Bereiche seines vorderen Drittels, gehören 
also bis dahin durchaus dem Stimmbandkörper an, treten aber dann aus 
dem Stimmband heraus und enden, indem sie zum Theil den Grund der 
MouGAGNi’schen Ventrikel bilden, in den falschen Stimmbändern, vielleicht 
auch noch höher. 
Schliesslich giebt es noch ein zweites System schräger Fasern (Fig. 86, 
in Thai 2 enthalten), welches aber nicht aus dem Stimmbande heraustritt, 
und nicht so steil wie die eben geschilderten aufsteigt. Es sind Fasern, 
die man zu Gesicht bekommt, wenn man den Muskel von der medialen 
Schleimhautseite präparirt, und die von Ludwig als Portio ary-vocalis 
bezeichnet wurde. Sie steigen in umgekehrter Richtung, wie die vorigen, 
nämlich vom Processus vocalis von hinten, unten und aussen nach vorn, 
oben und innen aufwärts, die hintersten am steilsten, die vorderen weniger 
steil und enden sowohl in der freien Stimmbandkante (der elastischen 
Chorda vocalis), wie an der medialen Fläche des Stimmbandes, soweit sie 
nicht schon von den ersten in Beschlag genommen ist, und im Muskel 
selbst. Damit hängt es zusammen, dass, wenn man den Muskel von innen 
her zerfasert, indem man ein Paar oberflächliche Bündel erfasst, man nicht 
diese allein abzieht, sondern dass man, wie bei einem Neidnagel, immer 
tiefer ins Gewebe hineinreisst. Ueberhaupt ist mir kein ähnlicher Muskel 
des menschlichen Körpers bekannt, in dessen Innerem eine so grosse Zahl 
von Muskelfasern entspringt und auch wieder endet, wodurch er einer¬ 
seits zu vielfachen Gestaltsveränderungen befähigt wird und andererseits, 
indem die Fasern in den verschiedensten Richtungen des Raumes orientirt 
sind, in die Länge, Quere und Dicke gespannt werden kann. 
Die Wirkungsweise dieses Muskels, der sich von dem Thyreo- 
arytaenoideus externus anatomisch schwer trennen lässt, fällt in vielen 
Punkten mit derjenigen seines äusseren Nachbars zusammen. Es ist in 
erster Linie ein Erschlaffer des Stimmbandes sensu strictiori, 
indem die von worn nach hinten ziehenden Fasern die Befestigungs¬ 
punkte des Stimmbandes einander nähern, dieses also entspannen müssen. 
Es ist selbstverständlich, dass diese Annäherung in der That ausge¬ 
führt werden muss, wenn der gewünschte Erfolg eintreten soll. Da aber 
die Entfernung der Ansatzpunkte der elastischen Stimmbänder andererseits 
auch durch die Spanner (insonderheit den Crico-thyreoideus) bestimmt wird, 
so ist es klar, dass, wenn beispielsweise diese stark contrahirt sind, eine 
geringfügige Zusammenziehung des Stimmmuskels dagegen nicht auf kom¬ 
men und auch die Ansatzpunkte der Stimmbänder nicht nähern kann, 
gerade wie ein allzu schweres Gewicht von einem Muskel nicht gehoben 
wird. Die alleinige Spannung des M. vocalis entspannt also nicht immer 
mit Nothwendigkeit die Chorda vocalis, sondern der Effect seiner Action 
ist immer davon abhängig, welche Kräfte er erst zu überwinden hat, ehe 
er überhaupt sich wirklich verkürzen, die Chorda also erschlaffen kann. 
Sind diese gering, so ist seine Wirkung gross ; sind sie gross, so ist seine 
Wirkung, anlangend die Entspannung, gering. 
1 Das Mikroskop zeigt hier eine Menge von Muskelenden, lauter zierliche, in 
das elastische Gewebe hineinragende Spitzen.
        

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