Bauhaus-Universität Weimar

236 Gkützner, Physiologie der Stimme und Sprache. 8. Cap. Anhang. 
war, entweichen Hess. — T und D bildete er dem P und B ähnlich; 
das Abziehen der Hand musste nur schneller geschehen und der Wind 
etwas kräftiger gegeben werden. Das N erschien, wenn die Stimme bei 
geschlossenem Munde tönte und nur durch eine der genannten Neben¬ 
öffnungen entwich. Für das S hatte er sich ein kleines viereckiges Käst¬ 
chen hergerichtet, durch welches die Luft geblasen wurde. Die hintere 
Wand desselben hatte in einer Seite einen kleinen Schlitz — durch ihn 
trat die Luft ein — die vordere an der entgegengesetzten Seite einen 
ebensolchen — durch ihn trat sie mit einem dem S ähnlichen Geräusche 
aus. — Die Bildung des Sch war ganz ähnlich, der Hohlraum nur grösser 
und länger (s. S. 221). K und G kamen in ihrer Bildung der des P und B 
sehr nahe. H und Ch entstanden durch schwächeren oder stärkeren Druck 
auf den Blasebalg bei offenem Munde; das L durch Einlegen des Dau¬ 
mens in die Mitte des Mundes, so dass seitlich zwei Oeffnungen blieben; 
das R durch ein klapperndes Brettchen, welches der Wind in Bewegung 
setzte. 
Alle Sprechmaschinen haben den Uebelstand, dass der Stimmton der 
Zunge stets ein und dieselbe Höhe behält, und dadurch die Sprache un- 
gemein eintönig macht. Es ist demselben meines Wissens bis jetzt noch 
nicht abgeholfen worden. — 
In der Wiedergabe des Accentes und der wechselnden Höhe des 
Stimmtones steht unerreichbar da der Phonograph von Edison. Wenn 
die Walze, welche das Stanniol trägt, mit genau derselben Geschwindig¬ 
keit gedreht wird bei der Reproduction der Laute, wie bei deren Pro¬ 
duction, so werden die Vocalklänge (vielleicht mit Ausnahme des J) sehr 
gut und das Schwanken der Tonhöhe unübertrefflich nachgebildet. Was 
aber die Sprechmaschine in gewisser Beziehung voraushat, das ist die 
Schärfe und Stärke, mit welcher sie Consonanten z. B. S und Sch etc. 
wiedergiebt, während der Phonograph (wenigstens nach meinen Erfah¬ 
rungen) in diesem Punkte ziemlich schwach ist, weil ja diese Geräusch¬ 
laute die Membran in nicht ausreichend starke Schwingungen versetzen 
können.
        

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