Bauhaus-Universität Weimar

Einfluss des Ansatzrohrs nach W. Weber. 
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genug, so verstummt die Pfeife auf eine beträchtliche Strecke zu 
beiden Seiten von d gänzlich. Weitere Verlängerung des Eohres bis 
e (ae= 3/4 X) lässt den ursprünglichen Ton wieder kräftig hervor¬ 
treten und ihn in mässiger Stärke bis vor f {of= A) bestehen. Hier 
springt der Ton, nachdem er sich vorher um eine Quarte erniedrigt, 
wieder auf den ursprünglichen zurück, ist in der Nähe von / unrein 
oder doppelt oder verschwindet ganz u. s. f. 
Suchen wir uns nun aus diesen empirisch festgestellten Thatsachen, 
ungefähr dem Gedankengange Weber’s folgend, die Gesetze abzuleiten, 
nach denen überhaupt die Luft in Zungenpfeifen schwingt und einen hohen 
oder tiefen Ton erzeugt. 
Zunächst ist es klar, dass die Luftsäule oder bei mehreren Schwin¬ 
gungsknoten die Luftsäulen in stehenden Schwingungen sich befinden, die 
mit denen der Zunge nicht bloss isochronisch, sondern auch synchronisch 
sein müssen. Die Existenz stehender Schwingungen ergiebt sich ohne 
Weiteres aus der Thatsache, dass eine bestimmte Verlängerung des An¬ 
satzrohres die entsprechenden Töne erzeugte und dass eine jedesmalige 
Verlängerung um — ein Zurückspringen des Tones auf seine ursprüng¬ 
liche Höhe bedingte, gerade wie dies bei offenen Labialpfeifen, wenn sie 
in passender Weise angeblasen werden, der Fall ist. Mit der Verlänge¬ 
rung des Rohres um — vermehrt sich nämlich die Zahl der Knoten immer 
um einen, ihre gegenseitige Entfernung ändert sich nicht, die Wellenlänge 
und die Höhe des Tones bleiben somit dieselben. Indem nun die Zahl 
der Schwingungen, welche die Zunge macht, gleich derjenigen ist, welche 
von der oder den Luftsäulen ausgeführt wird und eine gegenseitige 
Störung nicht zu beobachten ist — man hört ja in der Regel nur einen 
einzigen vollen Ton —, so müssen auch beiderlei Schwingungen syn¬ 
chronisch sein. 
In welcher Weise nun eine schwingende Zunge die stehenden Luft¬ 
wellen einer Röhre beeinflusst und umgekehrt diese auf die Zunge zurück¬ 
wirken, geht am einfachsten aus folgender Betrachtung hervor. 
Es sei A B eine beiderseits offene Röhre, deren Luftsäule in mehrere 
stehende Wellen getheilt ist, so dass in b, V, b" Schwingungsbäuche, 
also maximale Geschwindigkeit und Excursion, aber keine (oder minimale) 
Verdichtung der Lufttheilchen, in k und k! dagegen Schwingungsknoten, 
also maximaler Druckwechsel, aber minimale Bewegung der Lufttheilchen 
stattfindet. Man kann sich nun nach Weber in diese Röhre eine natür¬ 
lich synchronisch mit den Lufttheilchen schwingende Zunge eingesetzt 
denken an drei verschiedenen Punkten 
1. In einem Schwingungsknoten k, k', k”. 
2. In einem Schwingungsbauch b, br, b". 
3. In keinem von beiden, sondern zwischen einem Schwingungsknoten 
und Schwingungsbauch, so dass 
a) ein Schwingungsbauch kurz vor der Zunge, 
b) ein Schwingungsknoten kurz vor der Zunge gelegen ist.
        

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