Bauhaus-Universität Weimar

Die L Laute. 
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imd namentlich nicht zu gross seien, sonst bleibt nur das vocalische 
Element übrig, wie man in der That alle Vocale deutlich aussprechen 
kann, wenn man die mittleren und vorderen Theile der Zunge an 
den harten Gaumen anlegt.1 
1) Die tönenden L Laute. 
a. Das L der Deutschen (l alveolare). 
Dasselbe wird gebildet, indem der Rand der Zunge dicht ober¬ 
halb der Vorder- und Backenzähne sich an den Alveolarfortsatz des 
Oberkiefers anlegt, dabei aber zwei seitliche kleine Lücken in der 
Gegend der ersten Backzähne2 übrig lässt. Durch diese Lücken ent¬ 
weicht der tönende Luftstrom und geht zwischen der inneren Seite 
der Wangenschleimhaut und der äusseren der seitlichen Zähne nach 
aussen. Das Gaumensegel ist geschlossen, die Lippen so weit ge¬ 
öffnet, dass man die Zähne sieht. Verengert man die Mundöffnung 
oder schiebt man die Lippen weiter vor, so ändert sich die Klang¬ 
farbe des L sehr bedeutend und nimmt verschiedene vocalische Fär¬ 
bung an. In unserer Sprache ist dasjenige L gebräuchlich, welches 
etwa dem Vocal A am nächsten steht, seltener auch das, welches — 
bei etwas nach vorn geschobenen Lippen — an das U erinnert. 
Sehr viel weniger ändert sich der akustische (vocalische) Charakter 
des L, wenn die vorderen Zungenpartieen sich entweder etwas mehr nach 
hinten und oben oder mehr nach vorn und unten, also mehr an die Zähne 
oder selbst zwischen die Vorderzähne legen. Rückt jedoch die Articu- 
lationsstelle etwa hinter die Mitte des harten Gaumens, so ändert sich 
unweigerlich, sowohl der vocalische, wie consonantische Charakter des L; 
beide, sein Klang, wie sein charakteristisches Geräusch werden tiefer. 
Letzteres tritt um so mehr zu Tage, je kürzer, klangärmer (consonanti- 
seher) das L gebildet wird.3 
Es unterscheidet hiernach Brücke ein L cerebrale, bei welchem die 
nach rückwärts gebogene Zungenspitze, also die untere Fläche der Zunge, 
ein L dorsale, bei welchem der Zungenrücken an dem harten Gaumen 
und ein L dentale, bei dessen Bildung die Zunge zwischen den Zähnen 
liegt. Nach demselben Autor ist das L cerebrale wahrscheinlich der Laut 
der Veden, den Bopp Ira nennt und der in norwegischen Worten z. B. 
olo vorkommt. Das L dentale wird von Leuten gebildet, die lispeln und 
das L dorsale ist in dem L mouillé der Franzosen enthalten. 
Um über die Articulationsstellen dieser und anderer Laute ins 
1 Siehe Sievers, Grundzüge der Lautphysiologie S. 55. 
2 Der Ort, wo diese Lücken gebildet werden, hängt wesentlich davon ab, wie 
das Gebiss des Betreffenden beschaffen ist. Eine Zahnlücke verschiebt die Stelle 
regelmässig. 
3 Yocalisch, Sylben büdend wenden wir in unserer Sprache bekanntlich das 
L in "Worten wie Handel, Wandel etc. an, indem wir die mittlere Zunge hinter 
dem D nicht mehr vom Gaumen entfernen. Auch das slavische 1 wird vielfach vo- 
calisch gebraucht (Purkine).
        

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