Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Identität der natürlich vorkommenden proteïnhaltigen Flüssigkeiten und der Globulinlösungen
Person:
[Morochowetz, Leo]
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36682/5/
360 IDENTITÄT DER NATÜRL. PROTEÏNELÜSSIGKEITEX UND DER GLOBULINLÖSUNGEN. 
ser. AYird zu einem groben Pulver verriebenes trocknes Serum nicht in Wasser 
hegen gelassen, sondern rasch mit Wasser auf dem Filter gewaschen, so löse sich 
nur der kleinere Teil, während der grossere auf dem Filter zurückbleibe und beim 
Aufgiessen mit Wasser sich nicht mehr löse. Selbstverständlich bat man hier den¬ 
selben Prozess vor sich wie bei der Dialyse der Alkaliverbindungen des Globulins. 
Alles, was Zeit gehabt batte, sich aufzulösen, folglich durch das Filter gedrungen 
war, zeigte alle Reaktionen der Alkaliverbindungen des Proteins und hatte nament¬ 
lich viel mit der Milch (Casein) Gemeinames, wie: Ungerinnbarkeit beim Kochen, 
und Bildung von Häuten beim Abdampfen. Nachdem das Filtrat eingedampft und 
der Trockenrest eingeäschert war, enthielt die Asche ein bedeutende Menge Alkali 
und auch viel Kochsalz. Dass das Wasser dem auf dem Filter gebliebenen Rückstand 
Alkali entzogen hatte, beweist Scherer dadurch, dass jener eine ganz neutral 
reagirende Asche zurückliess, welche unlösliche Salze enthielt (97 p. 19—20). Gleich 
dem obenerwähnten, in der Wärme nicht gerinnenden Filtrat identifizirt Scherer 
auch frisches, eine geringe Quantität Alkali enthaltendes Seram mit dem Casein 
oder, richtiger gesagt, mit der Milch. Wie letztere beim Kochen nicht gerinnt, so 
scheide auch dieses, wenn auch nur bis zur neutralen Reaktion alkalinisirte, Serum 
keine Niederschläge aus, wie das beim Serum der Fall war, ehe das Alkali zuge¬ 
setzt wurde. Ausserdem bilde es auch wie die Milch bei längerem Kochen Häute 
(97 p. 22). Endlich findet Scherer auch hier, dass die Asche stark alkalisch reagirt 
(97 p. 24). 
Nasse (89 p. 156) prüfte gleich vielen andren Autoren (Thomson, Mulder, 
Denis, Letelier u. s. w.) Lösungen von ausgeschiedenem Globulin in Alkalien oder 
sogar in Natriumcarbonat nach Letelier's Methode (6 T. Globulin, 7 T. Natrium¬ 
carbonat und 155 T. Wasser). Doch seien solche Lösungen dem Serum nicht ganz 
analog, da dieses beim Kochen gerinne, jene aber nicht, das Serum von organischen 
Säuren—Essigsäure und Milchsäure—und auch von schwefliger Säure gefällt werde, 
während die künstlichen Lösungen unter diesen Umständen sich nur trüben. Nasse 
findet, dass diese Reaktionen denjenigen des Serums nicht entsprechen und nimmt, 
die Löslichkeit des „Albumins“ in betracht ziehend, an, dass zwischen dem Serum 
und den Salzverbindungen des Globulins—Salzalbuminaten—eine grössere Ähnlichkeit 
vorhanden sei. Eine solche Lösung werde jedoch von einer geringen Menge Essigsäure 
gefällt, wobei der erhaltene Niederschlag, der eine Säureverbindung des Globulins 
orstellen soll, in Salzen unlöslich sei. Kohlensäure fälle die salzhaltige Lösung nicht, 
infolgedessen Nasse gegen die gleichzeitige Mitwirkung des Salzes und des Alkali an 
der Auflösung des Globulins im Serum in Denis's Sinne nichts einwenden kann. 
Dabei sieht Nasse zwischen dem Globulin und dem „Albumin“ in dieser Hinsicht 
keinen Unterschied (89 p. 156— 7). 
Wenn man das Casein von dem „Albumin“ zu unterscheiden begann, so ge¬ 
schah es nur deshalb, weil die Milch beim Kochen keine Niederschläge ausscheidet,, 
während Serum und Eiweiss unter diesen Umständen gefällt werden. Das oben Dar¬ 
gelegte erklärt jedoch, dass die Ungerinnbarkeit der Milch davon abhängt, dass das 
Casein in derselben durch Kali, Natron und Kalk in Lösung erhalten wird, worauf 
unter andern auch Scherer (98 p. 453) hinwies, der das Casein für unlöslich in 
Wasser hielt 1). So ist auch hier blosse Neutralisation ungenügend, da das Casein 
durch das sich bildende Salz gelöst bleibt, was dadurch bestätigt wird, dass in 
diesem Falle ein künstlich eingetragenes Salz das sich ausscheidende Casein in Lö- 
i) Casein..... ist in der Milch an Alcalien im löslichen Zustande; für sich ist es in Wasser 
(Kali, Natron, Kalk) gebunden und durch diese unlöslich (98 p. 453).
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.