Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verhalten des Globulins zu den Säuren. Säureglobulin oder Acidoglobin oder... saures Globulin
Person:
Morochowetz, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36675/61/
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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN. 
es auch in der Geschichte des Globulins an Beispielen von Präparaten, die sich in 
ähnlichen Bedingungen befunden haben, keineswegs gefehlt hat. Hammarsten (47 p. 
103) findet, dass soeben durch Säuren a u s g e f ä111 e s Casein in Sal¬ 
zen löslich sei, wenn es aber in Wasser gelegen hat, sich setze und seine Lösungs¬ 
fähigkeit in Kochsalz allmälig einbüsse. Dieselbe Eigenschaft erwerbe das Casein 
auch, wenn man von Anfang an mehr Säure zusetzt als zur Fällung notwendig ist. 
oder wenn das Casein aus einer sehr concentrirten Lösung ausgefällt wird '). Das 
Casein halte im allgemeinen die Säure sehr hartnäckig fest, so dass selbst wochen¬ 
langes Waschen nicht alle Säure zu entfernen vermag (ib. p 103). 
In Hoppe-Seyler's und seines Schülers Weyl’s Arbeiten ist es sehr schwer 
denn Sinn der verchiedenen Benennungen zu erfassen und einen Unterschied zwi¬ 
schen denselben ausfindig zu machen. Beweist dies nicht auch die Identität der 
Produkte, denen diese Benennungen beigelegt worden sind? Im Jahre 1870 schrieb 
Iloppe-Seyler (01 p. 190), dass die ausgeschiedenen Globuline unter dem Einfluss 
von Wasser sich in Albuminate verwandeln, nimmt jedoch später (1877) an. dass 
das Seroglobin durch schwache Alkalilösungen nicht verändert, aber durch con- 
centrirtere in ein Alkalialbuminat übergeführt wird (63 p. -122)! Unter dem Wort 
Alkalialbuminat versteht Weyl Sovka’s Protein, mit welchem letzterer (p. n. 650) 
das Neutralisationsprodukt sowohl einer Alkali- als einer Säureverbindung des Pro¬ 
teins bezeichnet; doch schlägt Weyl vor, das Wort „Protein“ in der Mehrzahl zu 
gebrauchen, um es nicht mit Mulder’s Protein zu verwechseln. Ferner teilt Weyl 
Hoppe-Seyler’s Ansicht, dass die weiter unten zu nennenden Präparate sich in Pro¬ 
tein verwandeln. Ausserdem verändere sich hier das Globulin unter dem Einflüsse 
der Säuren und Alkalien und gehe in einen Zustand über, in welchem es sich 
von der im Globulin durch Wasser hervorgebrachten Modification in nichts unter¬ 
scheide (ib. p. 72 und p. n. 94). 
Auch Monier (97 p. 0; 9S p. 408) versucht zwischen den Reaktionen der 
Neutralisationsniederschläge aus den alkalischen und den sauren Protemlüsungen 
einen Vergleich zu ziehen. Was die Reaktionen der ersteren anbetrifft, so ist davon 
schon die Rede gewesen (71—5 A’s.V 81—5 p. 97). Die sauren Lösungen erhielt Mürner 
folgendermaassen: 1) jedes Eiweiss wurde mit 75—200 cc. 0,1—0,25° 0-iger Salzsäure 
versetzt, und das Gemenge im Wasserbade 3—12 Stunden lang envärmt. Die erhaltene 
saure Lösung neutralisirte man mit Ammoniumcarbonat, löste den Niederschlag wie¬ 
der in verdünnter Säure auf und fällte ihn mit demselben Salze aufs neue aus. Bei 
weniger langer Einwirkung der Säure, 1— 2 St.—wurde ein weniger lösliches Prä¬ 
parat erhalten; 2) aus Hechtmuskeln bereitete man eine säurehaltige Lösung in 
0.1%-iger Salzsäure; 3) aus Fibrin wurde eine Lösung nach dem Hoppe-Seyler'- 
schen Verfahren durch Einwirkung von concentrirter Salzsäure bei Zimmertemperatur 
oder bei 40° dargestellt. „Die mehr oder weniger gefärbte Lösung2) wur¬ 
de mit dem 2-3-fachen Volum Wasser gefällt“ (98 p. 471). der Xiederscldag in 
Wasser aufgelöst und die erhaltene Lösung schliesslich mit Ammoniumcarbonat 
neutralisirt; der Niederschlag mit Wasser gewaschen; 4) auf dieselbe Art stellte man 
ein analoges Produkt auch aus geronnenem Serumprotein dar s). Um die Reaktion 
sowohl dieser als auch der Neutralisationsniederschläge aus einer alkalischen Pro¬ 
teinverbindung zu erkennen, stellte Mürner mit rotem Lakmus gefärbte Visitenkarten 
') „Dieselbe Beschaffenheit nimmt der Nieder¬ 
schlag schon von Anfang an, wenn zu viel Saure 
zugesetzt oder eine zu concentrirte Caseinlösung 
in Arbeit genommen wird“ (47 p. 103). 
;) Die mehr weniger gefärbte Lösung wurde 
mit den 2—3 fachen Wasser gefällt (97 p. 471) 
0 „In derselben Weise habe ich es auch aus 
coagulirtem Serumeiweiss gewonnen“ (47 p. 1G3).
        

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