Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verhalten des Globulins zu den Säuren. Säureglobulin oder Acidoglobin oder... saures Globulin
Person:
Morochowetz, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36675/37/
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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN. 
Liegen an der Luft, sogar auf dem Filter ’)• Man braucht wohl kaum hinzuzufügen, 
dass sich hier unwillkürlich die Frage aufwirft, ob die Identität des „Syntonins“ 
und des „Myosins“ sich nicht auch heraussteilen würde, wenn nach schnellem Wa¬ 
schern oder sogleich nach der Ausscheidung des Syntonins eine Probe auf dessen 
Löslichkeit in Salzen vorgenommen würde, wie dass mit den Globulinen geschieht? 
Aber wir finden bei K ü h n e auc h ohnehin Angaben genug zu 
g u n s t e n der Löslichkeit des von ihm unrichtig S y n t o n i n 
benannten f r i s c h g e f ä 111 e n Präparats in neutralen Alkali¬ 
salzlösungen von mittlerer Concentration. 
Nicht weniger interessante Angaben finden wir bei Kühne in Bezug auf die 
Identität der Neutralisationsniederschläge aus alkalischen und sauren Lösungen na¬ 
türlich vorkommender, keiner chemischen Behandlung unterworfener Prote'inkörper 
und proteinhaltiger Flüssigkeiten. Ausser dem obenerwähnten Uebergange des Neu¬ 
tralisationsniederschlags aus einer nach Lieberkühn bereiteten Kaiialbuminatlösung 
in 0,1%-iger (!) Salzsäure, wobei eine Lösung erhalten wird, welche alle Reaktionen, 
gebe, die dem aus Globulin gewonnenen „Syntonin“ eigen sind, finden wir einen 
direkten Hinweis auf die Identität auch der Niederschläge aus diesen und jenen 
Lösungen 2). Die durch Neutralisation mit 1%-iger Natriumcarbonatlösung ausge¬ 
schiedenen Niederschläge hatten in beiden Fällen dasselbe gallertartige Aussehen 3). 
Auch nach der Auflösung in Kalkwasser zeigten dieselben Niederschläge ganz iden¬ 
tische Reaktionen 4). 
Auf diese letzte Angabe Kühne s folgt eine ganze Reihe von Tatsachen, 
welche sowohl den Uebergang des Syntonins in ein Alkalialbuminat als auch die 
Identität der Neutralisationsprodukte der anfänglich alkalihaltigen oder säurehalti¬ 
gen Protemlösungen beweisen und gleichsam die Ansicht der ältesten Autoren 
stützen sollen, wonach das Protein sich sowohl mit einer Säure, als mit einem 
Alkali verbinden könne; dabei bewahre es seine Grundeigenschaften, die sich nach 
dem Austritt aus den Verbindungen in der erwähnten Reihenfolge wieder kund ge¬ 
ben, um in umgekehrter Reihenfolge in dieselben Verbindungen wieder einzutreten: 
nämlich nach der Ausscheidung aus einer Alkaliverbindung eine Säureverbindung 
zu bilden, ohne eine Veränderung in seinen Grundeigenschaften zu erfahren. So 
scheide eine Myosinlösung in verdünnten Alkalien nach der Neutralisation einen Nie¬ 
derschlag aus. der sich ganz ebenso verhalten soll wie der Niederschlag aus einer 
säurehaltigen Myosinlösung—das Syntonin 5). 
‘) „Je länger man das Syntonin auswäsclit oder 
auch, vor fauligen Zersetzungen geschützt, auf 
dem Filter feucht erhält, desto schwerer löslich 
wird es, und man thut darum gut die Operationen 
soviel wie möglich zu beeilen, selbst wenn man 
über eine vor Fäulnis schützende niedere Tem¬ 
peratur dauernd disponiren kann“ (74 p. 16). Of¬ 
fenbar zog Kühne das W aschen, trotz des Rates, 
dasselbe zu beschleunigen, in die Länge, wenn 
man seinen Schluss erwägt. 
2) „Ich habe mir solche Syntoninlüsungen dar¬ 
gestellt, indem ich eine Lösung des Lieberkühn’- 
schen Ivalialbuminats mit Essigsäure fällte, das 
feine Praecipitat mit Wasser vollkommen auswusch 
und darauf in Salzsäure von 0,1 p. C. löste. Nach 
hinlänglicher Einwirkung der Säure erhielt ich 
eine vollkommen klar tiltrirende Lösung, die sich 
genau so verhielt wie eine salzsaure Syntonin- 
lösung. Durch Kochen wurde sie nicht gefällt, 
wohl aber durch Neutralismen, und im Uebrigen 
zeigte sie alle Reactionen, welche vorhin für das 
Syntonin angegeben wurden“ (74 p. 19). 
3) „Als ich den Körper durch Neutralisation 
mit kohlensaurem Natron gefällt hatte, und ihn 
auf dem Filter aussüsste, legte er sich ganz in 
der Form von gelatinösen Häuten an das Papier, 
wie es das Syntonin thut“ (74 p. 19). Ebensolche 
gelatinöse Häute bildet auch frischgefälltes Syn¬ 
tonin (ib. p. 16). 
;) „Mit Kalkwasser behandelt, gab er eine 
Lösung, die durch Nichts von der Auflösung des 
Syntonins in Kalkwasser zit unterscheiden war“ 
(74 p. 19). 
ä) „Ebenso verhält sich der Niederschlag, wel¬ 
chen man durch Neutralisation des in verdünnten 
Alkalien gelösten Myosincoagulats erhält. Auch 
dieses ist ganz unlösslich in Kochsalz, löst sich 
aber mit Leichtigkeit in verdünnten Säuren und 
Alkalien auf, wiederum genau so, wie das Synto¬ 
nin“ (74 p. 11).
        

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