Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Verhalten des Globulins zu den Säuren. Säureglobulin oder Acidoglobin oder... saures Globulin
Person:
Morochowetz, L.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36675/35/
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VERHALTEN DES GLOBULINS ZU DEN SÄUREN. 
ganz unbekannt gewesen zu sein, da er sonst nicht gewagt hätte die von Schützen¬ 
berger erhaltenen Präparate „Albuminate“ zu nennen; er würde vielmehr in seinem 
damals erschienenen Lehrbuche (1865) eine besser motivirte Erklärung, oder, we¬ 
nigstens, Beschreibung dessen gegeben haben, was z. B. über Panum’s Acidalbumin 
bekannt war. Mit diesem Namen bezeichnet Hoppe-Seyler in seinem Lehrbuche die 
prote'inhaltigen Produkte, welche durch die Einwirkung von Säuren aus den natür¬ 
lich vorkommenden Proteinen entstehen ‘). Es ist klar, dass nicht Schützenber¬ 
ger, sondern Hoppe-Seyler sich einen Fehler zu schulden kommen liess, und zwar 
nicht einen, sondern zwei: einmal indem er Schützenberger’s Präparat für das Neu¬ 
tralisationsprodukt eines Alkalialbuminats annahm, welchem die von Schützenberger 
beschriebenen Reaktionen garnicht eigen sind, das andere—indem er dieses Präparat 
ein Albuminat nannte (p. n. 82)! In seiner an Hoppe-Seyler gerichteten Entgegnung 
bestätigt Schützenberger (135 p. 163) die von ihm früher angeführten Tatsachen 
und erklärt Hoppe-Seyler’s Anmerkung dahin, dass dieser seine Angaben nicht rich¬ 
tig gedeutet hatte. 
Zu derselben Zeit wurde noch in einer anderen Richtung, obgleich in dersel¬ 
ben Frage, gegen die historische Wahrheit verstossen, infolgedessen eine neue Benen¬ 
nung für die Neutralisationsniederschläge der säurehaltigen Globulinlösungen auf¬ 
tauchte, eine Benennung, welche der Grundsubstanz der Muskelfasern in deren na¬ 
türlichem Zustande zukommt. Indem Kühne im Jahre 1864 (74 p. 11) den Namen 
„M y o s i n“ einerseits für die primäre Protei'nsubstanz der Muskeln (.V.V 61—80 p. 46) 
vorschlägt, andererseits keine historischen Thatsachen auführt und nicht erklärt, was 
er selbst unter den Namen „Syntonin“ versteht (ib.), setzt er den mit der Ge¬ 
schichte dieser Substanzen vertrauten Leser in nicht geringes Erstaunen durch den 
Satz: dass es gerade die Löslichkeit des Myosins in Salzlösungen ist. welche den 
Beweis liefert, dass das Myosin mit dem Syntonin nichts ge¬ 
mein hat 2). Es erweist sich, dass Kühne nicht das, was Lehmann, der diese 
Benennung vorgeschlagen hatte (ib. p. 44), sondern die Neutralisationsnie¬ 
derschläge aus Lösungen von Protein irgend einer Her¬ 
kunft in 0,1%-iger Salz- oder Milchsäure Syntonin nannte. So er¬ 
hält man, Kühne’s Angaben nach, Syntonin: 1) aus Myosin, welches in Salzen 
gelöst und durch Wasser ausgefällt worden ist (ib. p. 45), nach dessen Auflösung 
in verdünnter Salzsäure, wobei durch Neutralisation dieser Lösung sich Synto¬ 
nin ausscheiden soll (74 p. 11); 2) aus feinzerschnittenen und mit Wasser gewa¬ 
schenen Froschmuskeln, wobei das Waschen bis zum völligen Verschwinden der 
Proteinreaktion in den Waschwässern fortgesetzt wird, nach Auflösung der Muskeln 
nach Liebig’s Rat (ib. p. 16, 20) in 10 Vol. 0,1%-iger Salzsäurelösung; 3) aus Blut¬ 
fibrin nach der Auflösung desselben in Salzsäure derselben Konzentration bei Zim¬ 
mertemperatur, oder sogar beim Erwärmen (74 p. 19; 75 p. 165); 4) aus mit Was¬ 
ser verdünntem Eiweiss 24 Stunden nach der Vermischung desselben mit einer ge¬ 
nügenden Quantität 0,1%-iger Salzäure (74 p. 20); 5) aus einer Lösung in ebenfalls 
0,1%-iger Salzsäure eines Niederschlags, der durch Neutralisation einer wässerigen 
Lösung nach Lieberkühn bereiteten Ivalialbuminats durch Essigsäure erhalten wurde 
(ib. p. 20); 6) im allgemeinen, aus den verschiedensten Proteinpräparaten im fes- 
‘) „Acidalbumin bat man die Albuminstoffe :) „Die Löslichkeit des Myosins in Saklösun- 
genannt, welche durch Eiwirkung von Sätfre auf gen ist es, welche den entscheidenden Beweis lie- 
natürliche Albuminstoffe entstehen“ (60 p. 194). fert, dass dasselbe durchaus Nichts gemein hat 
mit dem Syntonin“ (74 p. 11).
        

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