Bauhaus-Universität Weimar

EINIGE ELEKTRO PHYS 10 LO G ISCHE VERSUCHE. 
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Fig. 15 haben vie die Kurven der 300-en und 400-en Zuckung. Hier sehen 
wir, dass bei deutlich ausgesprochenem Ermüdungszustande die elektrometri- 
sche Kurve einen langsameren Abstieg aufweist. Nocli evidenter erscheint das¬ 
selbe in Fig. 3 6. Die Kurven dieser Figur entsprechen der 500-en, 700-en 
und 900-en Zuckung. Die Kurven werden noch gedehnter: ausserdem sieht 
man, dass nicht nur der Abfall, sondern auch der Anstieg langsamer zu Stande 
kommen und dass die maximal erreichbare Höhe immer geringer wird. Der 
Ablauf des Actionsstromes bei Einzelzuckung des ermüdeten Muskels erklärt es, 
warum beim Tetanus des Muskels, die Kurven der Actionsströme ziemlich 
schnell niedrig werden und die einzelnen Zacken im Laufe der kürzesten Zeit 
kaum wahrnehmbar sind. Ausserdem ist mit dem geschilderten Verlauf der 
Schwankung am ermüdeten Muskel die Tatsache in Einklang, dass man vom 
ermüdeten Muskel nicht immer eine secundäre Contraction erhalten kann. 
Eine weitere Leihe von Versuchen wurde dem Verhalten der elektrischen 
Schwankung bei den Erscheinungen der Supperposition und des Tetanus gewid¬ 
met. Zwei rasch aufeinander folgende Inductionsreize wurden in üblicher Weise 
hervorgerufen. Der Rahmen mit der photographischen Platte öffnete bei seiner 
Bewegung zwei Kontacte, deren gegenseitige Entfernung man nach Wunsch 
ändern konnte. Hier wurde ebenfalls das Verfahren der mehrfachen Photo¬ 
graphie angewandt. Die Platte lief 3 Mal vordem Spalt vorbei. Das erste Mal 
unterbrach sie den einen Kontact, das andere Mal den anderen Kontact, und 
das dritte Mal beide nacheinander. Wenn die Zeitdistanz zwischen den Öff¬ 
nungen beider Kontakte sehr gering war, so wurde der Einfluss des zweiten 
Reizes auf die Grösse des elektrometrischen Ausschlages nicht zu verzeichnet. 
In einigen Fällen sah man aber unter diesen Umständen eine Änderung des 
Ablaufes der Schwankung aufzutreten. In Fig. 17 sehen wir die Kurven eines 
derartigen Versuches. Hier sind die myographischen und die elektrometrischen 
Kurven wiedergegeben; vor jedem Loslassen der Platte war der Hg-Menis- 
cus etwas gehoben. Da die Stimmgabel (untere wellige Linie) 100 Schwingungen 
in 1 Sec. machte, so lässt sich die Zeit zwischen beiden Reizen auf etwa 
0,0025 berechnen. In der oberen combinirten Kurve der Fig. 17 sehen wir, 
dass nach einem unveränderten Anstieg ein wellenförmiger Abstieg folgt. Die 
Art der elektrischen Reaction ist hier ähnlich derjenigen, die Garten f) 
am mechanisch gereigtem Sartorius beobachtete. Wird die Entfernung zwischen 
den Kontakten grösser, so sieht man niemals irgend eine Andeutung von 
Rhythmicität, sondern man erhält eine komplicirte Kurve, in welcher man ohne 
Mühe die Kombination von zwei Einzelscliwankungen erkennen kann. An der 
unteren elektrometrischen Kurve Fig. 18 sehen wir das Resultat des einen 
Reizes, an der zweiten und dritten gesellt sich in verschiedener Entfernung 
') S. Garten. I ehe)- rhythmische elektrische Vorgänge im quergestreiften Skelettmuskel. Ab- 
IkukII. d. mathem. physikalischen Klasse d. K. Sächsischen Gesel. d. V . Bd. XXVI, X 5, p. 331.
        

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