Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kurze Darstellung der Lehre von der Zelle und den Geweben des tierischen Organismus. (Kurzer Leitfaden der allgemeinen Histologie) mit einem Vorwort von Prof. N. Kulagin und 36 Textabbildungen. Moskau. 1902. Herausgeg. von dem Landwirtschaftlichen Institut. Ss. 1-105
Person:
Karpoff, Wl.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36600/1/
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BIBLIOGRAPHIE. 
Der zweite von Stopnitzki beschriebene Fall stellt ein in der einschlägi¬ 
gen Literatur äusserst seltenes, wenn nicht einziges Beispiel von Polydacty- 
lie vor. Bei einem 12-jährigen armen Judenmädchen hatte der linke Fuss, 
der in der Gegend des Metatarsi breiter aussah als der rechte, 11 Zehen. 
Dieselben waren folgendermaassen angeordnet: an dem Aussenrande des Fussen 
befanden sich, in einer Ebene an einander gereiht, 4 dem Aussehen nach nor¬ 
mal entwickelte Zehen, dann, anstatt der normalen grossen Zehe, eine 5-te 
etwas verkürzte und dünnere Zehe als die vorhergehenden. An dem Innenrande 
folgten in derselben Linie die 6-te und 7-te, von aussen nach innen gezählt. 
Diese Zehen sind durch ein häutiges Syndactylium mit einander verwachsen, 
aber vollkommen entwickelt. Endlich, noch weiter nach innen, befinden sich 
die 4 letzten Zehen, die mit den vorher beschriebenen nach aussen gerichtete 
stumpfe Winkel bilden. Drei von diesen Zehen sind gut entwickelt und liegen 
einander parallel; die vierte ist verkürzt, in ihrer Entwicklung gleichsam ge¬ 
hemmt, liegt nicht parallel, sondern bildet mit den benachbarten Zehen einen 
nach vorn gerichteten spitzen Winkel. Beim Gehen wird der Boden nur von 
der Ferse und circa 2/3 des äusseren Randes der Sohle berührt; der innere 
Rand dagegen mit den 4 inneren Zehen berührt den Boden garnicht und 
bildet mit demselben einen spitzen Winkel. Alle Zehen, mit Ausnahme der 
letzten inneren, sind vollkommen beweglich, was für das Vorbau densein gut 
entwickelter Beuger und Strecker zeugt. Infolge der anormalen Stellung dieses 
Fusses (das Kind geht auf dem äusseren Rande desselben) gehen die unteren 
Enden tibiae und fibulae bis zu einem gewissen Grade auseinander. Mittels 
Röntgenstrahlen erhaltene Abbildungen sind der Abhandlung beigelegt. In dem 
ganzen übrigen Organismus des Kindes sind keine Abweichungen von der 
Norm zu bemerken. Auch auf Vererbung fehlt es an Angaben. Unter den 
Theorien, welche den Polydactylismus zu erklären suchen, tritt der Autor 
Ahlfeldt’s mechanischer Theorie mit dem von Zander beigefügten Correctum 
bei, wobei in dem letztbeschriebenen Falle, Stopnitzki’s Ansicht nach, die 
Amnionfäden in zwei verschiedenen Momenten einwirkten: das erste Mal 
fand der Druck derselben in einem sehr frühen Entwicklungsstadium statt, 
wobei aus einem undifferencirten Embryonalgebilde zwei entstanden, von denen 
das eine sich zu einem Fusse mit 5, das andre zu einem solchen mit 4 Zehen 
gestaltete. Als die Zehen sich schon entwickelt hatten, übten auf die 5-te, 
von aussen nach innen gerechnet, und auf die am weitesten nach innen gele¬ 
gene zwei andere Amnionfäden einen Druck aus, so dass eine jede sich in 
2 Teile spaltete. Dieser selten vorkommende Polydactylismus kann jedoch auch 
einfacher erklärt werden: es konnte nämlich eine ganze Reihe Amnionfäden 
auf den fœtalen Fuss einen Druck gleichzeitig ausüben und auf diese Art die 
Bildung der 11 Zehen hervorrufen. 
Karpoff, Wl. Dr. Kurze Darstellung der Lehre von der Zelle und den 
Geweben des tierischen Organismus. (Kurzer Leitfaden der allgemei¬ 
nen Histologie) mit einem Vorwort von Prof. N. Kulagin und 36 
Textabbildungen. Moskau. 1902. Herausgeg. von dem Landwirt¬ 
schaftlichen Institut. Ss. 1—105.
        

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