Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Frage nach der Einwirkung sensitiver Reize auf die Muskelarbeit des Menschen
Person:
Setschenow, I.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36553/14/
ZUR FRAGE NACH DER EINWIRKUNG SENSITIVER REIZE ETC. 
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gen gross, so nehmen diese an Grösse rasch ab und im entgegengesetzten 
Falle bleibt die Abnahme der Muskelzüge lange Zeit unmerklich. In unserem 
Versuche gilt das erstere für die erste Hälfte des Myogramms (Fig. 11) und 
das zweite für die zweite Hälft. Es ist ferner einleuchtend, dass sofern in bei¬ 
den Hälfen des Versuches eine und dieselbe Muskelgruppe arbeitete, das Gefühl 
der Ermüdung, falls seine Quelle in den Muskeln läge, eher im Laufe der 
zweiten als in dem der ersten Versuchshälfte sich entwickeln müsste, weil die 
Arbeit in der zweiten Hälfte viel länger dauerte und viel intensiver war. Wir 
sehen aber gerade das Gegentheil; folglich lag sowohl in diesem Versuche, als 
in allen anderen ihm gleichen (d. h. in Versuchen mit automatischen Bewe¬ 
gungen) die Quelle des Ermüdungsgefühles nicht in den Muskeln sondern in 
den Vorgängen innerhalb der Nervencentra. Damit will ich jedoch nicht sagen, 
dass die Muskeln an dem Entstehen des Gefühls sich überhaupt nicht be- 
theiligen. Bei schweren Arbeiten ist ihre Betheiligung ganz unzweifelhaft; das 
Gesagte gilt nur für die in dieser Untersuchung beschriebenen schwachen Ar¬ 
beiten. Den soeben beschriebenen Versuch benutzte ich noch zur Probe, ob 
das für die automatichcn Bewegungen constatirte Anwachsen des Arbeitsver¬ 
mögens des thätig gewesenen Arms durch das zeitweilige Uebertragen der Ar¬ 
beit auf den anderen Arm auch für die jetzigen Bedingungen gilt. Die zwei 
letzten Reihen erhöhter Ordinaten mit den üblichen Zeichen l. A und r. A 
gaben eine bejahende Antwort hierauf. Uebrigüns habe ich den Versuch in 
dieser Form nur ein einziges Mal angestellt. 
Zum Schlüsse erlaube ich mir noch folgende Bemerkung.—Die elektrische 
Reizung der Nerven und der Muskeln hat sich für die betreffenden Lehren 
deshalb so fruchtbar erwiesen, weil man diese Reizung auf beliebiger Höhe 
constant halten, respective unter beliebigen constanten Bedingungen arbeiten 
kann. Sollte also einmal die Zeit für das myographische Studium der motori¬ 
schen Folgen natürlicher Erregungen am Menschen kommen, so könnte man, 
glaube ich, die entsprechenden Dienste eher von den automatischen als von 
den wilkührlichen Bewegungen erwarten, weil die letzteren nur bei absichtlich¬ 
maximalen Impulsen constant zu halten sind, und in dieser Form sich gegen 
die äusseren Angriffe weniger empfindlich als die schwächeren automatischen 
Bewegungen erweisen. 
Moskau, d. 6 Marz, 1903.
        

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