Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Frage nach der Einwirkung sensitiver Reize auf die Muskelarbeit des Menschen
Person:
Setschenow, I.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36553/1/
Zur Frage nach der Einwirkung sensitiver Reize auf die 
Muskelarbeit des Mensrhen1). 
Von Prof I. Setschenow. 
1) Vorliegende Untersuchung wurde in derAbsicht unternommen, die äus¬ 
seren Erholungsbedingungen der durch eine unausgesetzte Thätigkeit ermü¬ 
deten Arbeitsorgane am Menschen (an mir selbst) zu erforschen. Hierbei ging ich von 
folgenden Betrachtungen aus. Die unausgesetzte maschinenartig-regelmässige 
Arbeit der Athemmuskeln, sowohl in der Ruhe des Körpers als bei den Schwan¬ 
kungen der respiratorischen Thätigkeit [man denke an den extremen Fall solcher 
Schwankungen nach der Durchschneidung beider vagi, wobei die Bewegungen 
dennoch mit maschinenartiger Regelmässigkeit fortzuschreiten fortfahren!], zeigt 
den Weg an, wie man zu der Lösung der gestellten Aufgabe am einfachsten 
gelangen könnte. Die Athembewegungen sind ja unermüdlich, und die Unermüd¬ 
lichkeit derselben hängt höchst wahrscheinlich davon ab, dass die mit einer jeden 
Einathmung entstehenden Ermüdungsminima des arbeitenden Organes stets durch 
die darauffolgenden Ruhepausen aufgehoben werden. Es muss, mit anderen 
Worten, ein bestimmtes, für die Unermüdlichkeit der Arbeit unerlässliches 
Verhältniss zwischen den Factoren der Arbeit (Frequenz und Tiefe der 
Bewegungen, sowie die Grösse der zu überwindenden Widerstände) und der 
Dauer der Ruhepausen vorhanden sein. Die erholende Wirkung der Ruhepausen 
bleibt für das Athmen allerdings unbewiesen; wir haben jedoch ein anderes 
Beispiel, wo deren Bedeutung unzweifelhaft ist—ich meine das Gehen des Menschen 
mit und ohne Belastung des Körpers. Hier existirt ganz sicher für jeden grös¬ 
seren Unterschied in der Belastung eine bestimmte Aenderung des Rythmus 
und der Excursionsweite der Beinbewegungen, mithin auch eine Aenderung in 
der Dauer der Ruhepausen; hier wie dort ist das maschinenartig-regelmässige 
Fortsetzung der Bewegungen nur mit solchen Veränderungen aller Factoren der 
Arbeit verträglich; hier wie dort endlich ist das maschinenartig-regelmässige 
Fortschreiten der Bewegungen nur bei dem automatischen Fortschreiten der¬ 
selben möglich. Leider ist das Gehen für das beabsichtigte Studium ebenso 
untauglich wie die Athembewegungen. Dieses ist offenbar nur an einer 
*) Die Resultate der Untersuchung wurden bereits am 6 Mai 1902 dem Vorstand der Phy¬ 
siologischen Gesellschaft zu Moskau vorgelegt. Die Redaction.
        

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