Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wirkung der Inductionsschläge auf einige Ciliata
Person:
Statkewitch, Paul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36552/52/
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UE BER PIE WIRKUNG PER INPUCTIONSSCHLÄGE ETC. 
hinausgeschleuderten Inhalt der Trichocysten genommene Bahn die Form einer 
Parabel an—die Concavität der Anode zugewandt (Fig. 4 b, d, f, Ji). 
Weniger bestimmt lässt sich die locale anodische Contraction des Ecto- 
plasma erklären. Die in der einschlägigen Literatur enthaltenen Angaben über 
die Fähigkeit der Paramaecien ihre Körperform zu veränderen zeichnen sich 
durch erstaunliche Widersprüche aus. In den Lehrbüchern von A. Lang 
(11, S. 59), M. Marschall & Herbst (37, S. 5), N. Zograf (38, S. 33) 
und W. Haller (39, S. 49) ist geradezu gesagt, dass bei Paramaecium aurelia 
und putrinum Myophanienstreifen vorhanden sind; die Arbeiten, auf welche 
diese Autoren ihre Behauptung gründen, ist, es mir jedoch nicht gelungen zu 
finden. 
Bei Bütschli (2) dagegen finden wir keine Hinweise auf das Vorhanden¬ 
sein contractiler Elemente bei den Paramaecien; der russische Protistolog 
W. Schéwiakoff (30, S. 33s), Bütschli’s Schüler, behauptet in seiner vor¬ 
züglichen Monographie: «Die Organisation und Systematik Infusoriae Holotrichae>, 
dass «der Körper der Paramaecien elastisch und biegsam, doch nicht contracté 
ist». (S. 338). Folglich muss die Frage nach dem Vorhandensein von Myophanien 
bei den Paramaecien vorläufig für offen angesehen werden. 
Nichtsdestoweniger zeugen meine Versuche (S. 15—20) für das Vorhanden¬ 
sein einer contractilen Plasmaschicht bei Paramaecium caudatum, da nur eine 
solche die rasche locale Veränderung der Körpergestalt an der Anode sogleich 
nach der Reizung und die Annahme der früheren Gestalt, wenn die Reizung 
aufgehört hat, erklärlich macht. Es ist anzunehmen, dass das contractile Plasma, 
das sog. Corticalplasma, zwischen dem Ektoplasma und dem Ento- 
plasma an den Hinterenden der Trichocysten liegt; dasselbe reagirt auf einen 
Inductionsschlag von bestimmter Intensität, infolge von Reizung an der Anode, 
nur durch locale Contraction; starke Reizungen bewirken Contraction des 
sämmtlichen Corticalplasma. Die Frage, ob letzteres homogen oder in einem 
gewissen Grade differencirt ist, hat eher eine morphologische Bedeutung. 
Wenn die Paramaecien Myophanien besässen, welche, wie z. B. bei Holo- 
phrya discolor (W. Schewiakoff, 30, S. se), in meridionaler Richtung 
hinzögen, so würde die Reizung irgend eines Punktes des Streifens Contract] ons- 
erregung des ganzen Streifens, wie es bei Stentor der Fall ist, nach sich ziehen 
und würde die Folge davon Veränderung der Körperform längs des ganzen 
Meridians sein, was jedoch bei einer gewissen Reizschwelle nicht der Fall ist. 
6. Das Corticalplasma ist bei L a c r i m a r i a e olori (S. 33—37) stär¬ 
ker entwickelt und bësitzt die Fähigkeit über den ganzen Körper hin sich zu 
contrahiren; bei einer gewissen Intensität des Oeffnungsschlages ist die Con¬ 
traction jedoch stärker an der Anode ausgedrückt. 
7. Die conjugirenden und sich querteilenden Individuen (S. Seite 26). 
stellen in Bezug auf ihre Erregbarkeit ein Ganzes vor. 
8. Die Reaction in Kochsalz und Seewasser cultivirter Paramae¬ 
cien und Seehypotrichae unterscheidet sich in nichts von derjenigen der Süss- 
wasserparamaecien. 
9. Ein einzelner Inductionsöffnungsschlag mittlerer Intensität ruft E r- 
scheinungen von Nachwirkung der Reizung hervor: der Protist
        

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