Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wirkung der Inductionsschläge auf einige Ciliata
Person:
Statkewitch, Paul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36552/5/
UEBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSClILäGE ETC. 
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tung eintritt. Die Reaction tritt zuerst, d. h. bei geringster Stromstärke, bei 
dem absteigenden Strom ein. 
Bei Oxytricha parallela und Stylonycbia wird auch deutlich wahrnehm¬ 
bares Zurückzucken beobachtet. Die vorteilhafteste Lage für das Eintreten der 
Reaction ist, wenn das Peristom der Anode zugewandt ist,—folglich wäre dies 
die erregbarste Stelle an dem Körper des Tieres. Die Versuche des Autors 
an Stentoren zeigten, dass sich durch grösste Reizbarkeit nicht das Peristom, 
sondern die im Zellmund befindlichen Wimpern auszeichnen. Mechanische 
Reizungen des innern Teils des Peristoms der Vorticellen riefen plötzliche und 
sehr starke Zusammenziehung hervor; dieselben Erscheinungen beobachtete der 
Autor auch an Oxytricha und Paramaecien. Bei dem Berührungsreiz kann an 
Paramaecien Rückwärtsbewegung constatirt werden, wenn dieser mechanische 
Reiz das Peristom trifft. Betrachtet man diese Reaction auf den mechanischen 
Reiz als eine indirecte Erregung, welche gewisse Punkte der Körperoberfläche 
trifft, so sind die Inductionschläge, wie der Autor meint, in der That zu den 
indirecten Erregungen zu rechnen, da die Reaction der Infusorien auf die 
einzelnen Inductionsschläge mit den Reactionen, welche auf mechanische Rei¬ 
zung erfolgen, übereinstimmt. Das ist vollkommen klar aus der Zurückzuckung 
der Oxytricha und Stylonychia, sowie aus den Contractionen der Stentoren und 
Vorticellen (8, S. 102) zu sehen. Nur die Paramaecien bieten darin eine 
offenbare Abweichung (8, S. ms). 
Sich auf den Vergleich der Reactionen der Infusorien auf mechanische 
Berührungsreize mit denjenigen auf einzelne Oeffnungsinductionsschläge stüt¬ 
zend, zieht der Autor den Hauptschluss, dass die Reaction einiger Infusorien 
auf einzelne Inductionsschläge der Ausdruck von Erregung der Bewegungsorga¬ 
noiden ist, und dass diese Reaction infolge der Reizung des Peristommunds, 
welcher für elektrische Reize eine höhere Reizbarkeit besitzt, eintritt. Infolge¬ 
dessen ist der Autor mit Jennings (9, S. 239 u. 256) darin nicht einver¬ 
standen, dass das Vorderende die erregbarste Stelle an der Oberfläche des 
Körpers sei. 
Frequente Inductionsschläge üben eine richtende Wirkung auf die Pa¬ 
ramaecien aus, indem sie dieselben zwingen dem Minus der Oeffnungsschläge 
zuzuschwimmen. Diese Erscheinung ist schon im Jahre 1886 von V er worn 
(la, S. 26) constatirt und im Jahre 1889 beschrieben und von Birukoff 
(10) und mir näher untersucht worden *). 
') Die Beschreibung meiner Versuche über die bewegungsrichtende Wirkung der Inductions¬ 
schläge wird bald erscheinen, doch halte ich für angemessen schon hier einen historischen Irrtum zu 
beseitigen, der sich infolge von B. B i r u k o f f’s Arbeit auch in die Lehrbücher eingeschlichen hat; 
so führt z. B L an g (11, S. ss) in der nmen Auflage seines „Lehrbuchs der vergleichenden Anatomie 
der wirbellosen Tiere“ die hauptsächlichsten Resultate von Birukoffs Untersuchungen an, nämlich: 
„die Paramaecien bewegen sich immer in jenen Teilen des Tropfens fort, wo die Stärke des circuli- 
„renden Stromes die geringste ist, und lagern sich an der Oberfläche der Elektrode so, dass sie die 
„Theile derselben frei lassen, wo die Dichtigkeit des Stromes am grössten ist“. Die Billigkeit fordert 
es, darauf hinzuweisen, dass die Methodik dieser Versuche, sowie die Resultate derselben schon im 
Jahre 1889 von Verworn in einigen Zeilen vortrefflich dargelegt wurden. B. Birukoff kommt 
nur das Verdienst zu, die Form der Elektroden verschiedentlich abgeändert zu haben, was jedoch die 
Resultate, die auch in V e r w o r n’s Lehrbuche aufgenommen sind, nicht im geringsten beeinflusst 
hat. Verworn schrieb im Jahre 1889 Folgendes: „Eine eigenthümliche Erscheinung zeigt sich,
        

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