Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Ueber die Wirkung der Inductionsschläge auf einige Ciliata
Person:
Statkewitch, Paul
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36552/2/
2 TÎÈBER DIE WIRKUNG DER INDUCTIONSSCHLâGE ETC. 
den Kenntnisse in der Morphologie der Protisten, nichts anderes als Zerstörung 
dieser Organismen unter der Einwirkung der elektrischen Entladungen consta- 
tiren konnten. 
Die Gelehrten des XVIII Jahrhunderts — Saussure (1776), S p a 11 a n- 
zani, (1776), Tereschowsky (1775) und Guanzati (1797), welche 
die Wirkung des elektrischen Funkens auf die Infusorien untersuchten, beobachte¬ 
ten, dass derselbe diese Kleinwesen tötet. Diese Thatsache, d. h. die Zerstö¬ 
rung der Infusorien durch die Schläge einer Leydener Flasche, wurde in der 
Folge auch am Anfang des XIX Jahrhunderts von Eh r en b erg (1888) beob¬ 
achtet. Dabei bemerkte Ehrenberg, dass die Schläge nur diejenigen Tiere 
töten, welche sich direct in der Stromlinie befinden; auch gewahrte derselbe 
Autor damals, dass bei der Einwirkung eines constanten galvanischen Stroms 
die Zerstörung nur bei dem Schliessen und Oeffnen desselben eintritt, und auch 
stets nur auf den Stromlinien (nach B ü t s c h 1 i 2, S. 1819). 
Nicht viel mehr beobachtete im J. 1859 Kühne (3). Er wandte Induc¬ 
ti onsschläge an und bemerkte dabei, dass auf Amoeba diffluens schwache In- 
ductionsschläge keine Wirkung hervorbrachten; Spuren irgend einer Reaction 
waren nicht einmal dann wahrzunehmen, wenn beim Berühren des Wasser¬ 
tropfens mit der Fingerspitze ein unerträglicher, stechender Schmerz entstand 
(3, S. 819). Sehr starke und rasch auf einander folgende Schläge rufen hef¬ 
tige Bewegungen hervor, welche bei Opalina, Plaesconia patella, Paramaecium, 
Dileptus folium, Trichoda angulata und Kerona mytilus bruchartige Aussackungen 
und schliesslich vollständiges Zerplatzen zur Folge haben. 
Bei mässigen Strömen konnte Kühne es meist dahin bringen, dass «die 
«Tiere nach dem ersten heftigen Ruck beim Oeffnen der Nebenschliessung ganz 
«ruhig in einer Art von Tetanus sämmtlicher Muskeln liegen blieben, wenn sie 
«nicht durch die Flimmerbewegung weiter befördert wurden, auf welche die 
«Ströme absolut gar keinen Einfluss haben. Wurden die Schläge verstärkt, so 
«bildeten sich bald Einschnürungen, und trat dann irgendwo aus der Körper- 
«begrenzung ein Bruch aus.... Nur bei längerer Dauer der sehr kräftigen 
«Ströme zerfliesst das ganze Tier zu einem unförmigen Brei, in welchem dann 
«hie und da die Flimmerbewegung noch eine Zeit lang fortdauern kann>. 
Die Reaction der Vorticellen auf frequente Inductionsschläge that sich 
dadurch kund, dass (3, S. 824—825) «plötzlich alle Vorticellen ihre Stiele 
«spiralig zusammenrolten und festgebannt an der Pflanzenwurzel angeheftet zu 
«sehen waren, wobei auch die Glocke sich kugelförmig zusammenballte und die 
«Mundwimpern eingeschlagen blieben>. Indem Kühne bei Vorticellen die Stiele 
von der Glocke abtrennte, beobachtete er, dass auch die kopflosen Stiele, auf 
die Inductionsströme reagirend, zusammenfahren (3, S. 827)- 
Kühn e’s Versuche wiederholte im Jahre 1862 G. Schwalbe an 
Paramaecien in seiner Arbeit über die contractilen Behälter der Infusorien (4). 
Seine sehr kurz gefasste Beschreibung der Veränderungen der Körperform der 
Paramaecien unter dem Einflüsse von Inductionsschlägen bietet einen voll¬ 
ständigen Gegensatz zu denen, welche von neueren Autoren (V e r w 0 r n 
u. a.) gegeben werden. Es scheint uns nicht überflüssig Schwalbe selbst 
reden zu lassen: «Die Haupterscheinung, welche man allgemein an Paramaecien,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.