Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
William W. Carlile: The Conscience, its Nature and Origin. Intern. Journ. of Ethics. VI. No. 1. S. 63-76. 1895
Person:
Barth, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36493/1/
402 
Litter aturbericht. 
Den Schlufs bildet eine genaue Zusammenstellung der einschlägigen 
Litteratur, aus der man ersieht, dafs Verfasser neben seiner vieljährigen 
praktischen Erfahrung auch umfangreiche theoretische Studien seiner 
Abhandlung zu G-runde gelegt hat. 
Gründlichkeit und konsequentes Nachdenken kennzeichnen in der 
That die vorliegenden Ausführungen. Trotzdem kann ich ihnen nach 
langer und eingehender Beschäftigung mit diesem Thema vom psycho¬ 
logisch-erkenntnistheoretischen Standpunkte aus nicht zustimmen. Den 
G-rundirrtum erblicke ich in der Definition des Zählens durch ein Ver¬ 
gleichen zweier Reihen. Zu diesem Satze gelangte Verfasser offenbar 
durch seine pädagogische Thätigkeit und durch die Art, wie wir kunst- 
gemäfs das Zählen lernen. Will man jedoch die letzten psychologischen 
Grundlagen des Zählaktes auf decken, so wird man sich fragen müssen, 
wie gelangen wir zu dem Mafsstabe, zu der Zählreihe selbst. Man wird 
dann erkennen, dafs diese bereits ein Zählen voraussetzt. Nicht von der 
Zählreihe, sondern von der „Vielheit“, von dem Wahrnehmen des Dis¬ 
kreten, mufs die Untersuchung anheben und — darin pflichte ich Ver¬ 
fasser bei — die beziehende Thätigkeit der Seele vor allem berücksich¬ 
tigen. In gewissem Sinne ergiebt sich dann auch die Zahl als eine 
Eigenschaft der Dinge, nur nicht der einzelnen, sondern eines Ding- 
Komplexes. Die Thatsache, dafs man äufsere wie innere Objekte zählen 
kann, ist durchaus kein haltbarer Einwurf. Dagegen ergiebt sich dann 
von selbst, dafs es keine reinen, sondern nur benannte Zahlen giebt — 
eine durchaus richtige Bemerkung des Verfassers. Auch der Zweck 
des Zählens wird dann ersichtlicher. Es wird nicht blofs ein Unver¬ 
ständliches auf ein anderes, geläufigeres zurückgeführt, sondern ein 
Kompliziertes auf ein Einfaches, die Vielheit auf eine Einheit. Endlich 
sei noch bemerkt, dafs eine grofse Zahl wichtiger Fragen Verfasser 
übergangen hat. Zunächst die Entwickelungsstufen des Zählens; denn 
die Unterscheidung zwischen Zahl als Summe und als Multiplikator ist 
eine äufserliche und keine psychogenetisch verwertbare. Sodann, warum 
ist die Reihenfolge der gezählten Objekte gleichgültig? Warum und 
inwiefern ist die Zahleinheit willkürlich ? Indes, noch mehr auf Einzel¬ 
heiten einzugehen, führte zu weit, und es sei daher nur noch darauf 
hingewiesen, dafs die Schriften von Paul du Bois-Reymond, Dedekind, 
Stolz, Husserl (Philosophie der Arithmethik), Grassmann dem Verfasser 
dankenswerte Anregungen gegeben hätten. 
Arthur Wreschner (Berlin). 
William W. Carlile. The Conscience, its Nature and Origin. Intern. 
Journ. of Ethics. VI. No. 1. S. 63—76. 1895. 
In der Chemie ist die Wirkung der Ursache nicht gleich; wir 
schliefsen aber auf den Kausalzusammenhang, weil die Erscheinungen 
an denselben Stoffen in demselben Gefäfs vor sich gehen. Im Seelen¬ 
leben giebt es kein solches Gefäfs ; wo wir zwischen zwei Erscheinungen 
auf Kausalzusammenhang schliefsen, mufs es sich so verhalten, wie in der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.