Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
A. D. Waller: Points relating to the Weber-Fechner law. Retina muscle; nerve. Brain. Part LXX u. LXXI. S. 200-216. Summer and Autumn 1895
Person:
Ziehen
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36467/2/
Litter aturbericht. 
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Bezüglich des Nerven glaubt W. gefunden zu haben, dafs seine négative 
Schwankung bei faradischer Reizung dem Reiz proportional wächst, also 
dem RECHNEEschen Gesetz nicht folgt. Besonderes Gewicht legt er darauf, 
dafs nahe der Reizschwelle für eine kleine Strecke die Kurve der Muskel¬ 
kontraktion und der negativen Schwankung des Nerven eine S-förmige 
Biegung zeigt, dafs sie also zunächst langsamer ansteigt, als die loga- 
rithmische Kurve. Bei dem absterbenden und bei dem ermüdenden 
Muskel soll die S-förmige Biegung im umgekehrten Sinne erfolgen. Aus 
der Beobachtung, dafs die negative Schwankung des Nerven dem Reiz 
proportional ist, glaubt W. schliefsen zu können, dafs die Nervenfasern 
wenigstens innerhalb der physiologisch in Betracht kommenden Reiz¬ 
stärken nur die Rolle eines passiven physikalischen Leitungsdrahtes 
spielen. Die Netzhautversuche führt er zu Gunsten der physiologischen 
Deutung des FECHNEEschen Gesetzes ins Feld. Die nicht einwurfsfreie 
Versuchsanordnung, sowie namentlich die bemerkenswerte, zur Anwendung 
gelangte photogalvanographische Registriermethode sind im Original 
nachzulesen. Ziehen (Jena). 
W. Beoadbent. Brain origin. Brain. Part LXX u. LXXI. S. 185—199. 
Summer and Autumn 1895. 
Ähnlich, wie vor kurzem Gowees, giebt jetzt Beoadbent in dieser 
„Presidential address to the neurological society of London“ eine Theorie des 
in den Nervenfasern und Nervenzellen ablaufenden Erregungsprozesses, 
der Nerve force, wie die englischen Autoren jetzt meistens zu sagen 
pflegen. Als Hauptmerkmal der chemischen Verbindungen, in deren Zer¬ 
setzung die Erregung der Nervenelemente besteht, betrachtet er nicht 
die vielberufene Instabilität, sondern die hohe chemische Spannung der 
in den Nervenelementen aufgespeicherten Substanzen. Unter letzterer 
versteht er die Tendenz der in einem Molekül in einer ihren Affinitäten 
nicht entsprechenden Weise angeordneten Atome, zu einer entsprechenden 
Anordnung sich umzugruppieren. So ist z. B. bei der Imidverbindung 
die chemische Spannung gröfser als bei der Amidverbindung etc. Den 
Erwerb von Erinnerungsbildern stellt sich B. als eine Integration von 
Molekülen vor, während die meisten sonstigen Erregungen der Nerven¬ 
elemente Disintegrationen sind. Wahrnehmung, Bewufstsein und die 
höheren geistigen Operationen stehen nach B. aufserhalb und über den 
materiellen Veränderungen, welche ihrer Kundgebung dienen, und gehen 
über sie hinaus („are outside and above and in excess of the material 
changes which subserve their manifestation“). 
B. wendet sich dann gegen die Annahme eines rein passiven Ver¬ 
haltens der peripherischen und zentralen Elemente. Er nimmt vielmehr 
allenthalben potentielle Energien an, welche sich gegenseitig hemmend 
beeinflussen, und sucht durch Vergleiche diese Annahme plausibler zu 
machen. Er nennt dies „balanced tension“. 
Schliefslich tritt B., von seinem Thema ganz abschweifend, ent¬ 
schieden für die Lehre ein, dafs die Bahnen der Berührungs-, Schmerz*
        

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