Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Versuche über die ersten Entwicklungsvorgänge bei den Vögeln. (Mit 34 Abbildungen im Text und einer phototypischen Tabelle). Arbeit aus dem zootomischen Laboratorium der Warschauer Universität. Lief. XIX. Warschau. 1898
Person:
Mitrofanoff, P.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36320/2/
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BIBLIOGRAPHIE. 
vorangeht, der seinerseits eine Modification der anfänglichen Ektodermver¬ 
dickung vorsteilt, als erstem Stadium der Veränderung der Keimscheibe. Der 
Primitivstreifen und die sich normal bis zum hinteren Rande des hellen Fruchthofs, 
also mit Ausschluss von dessen vorderem Rande, hinziehende Primitivrinne stel¬ 
len in der Klasse der Vögel etwas specieil Neuerworbenes vor. 
Mitrofanoff, P. Teratogenetische Beobachtungen. (Neue Serie und 16 
Abbildungen im Text). Arbeiten aus dem zoologischen Laboratorium 
der warschauer Universität. Lieferung XXII. 1899. 
Der Autor bestrich Hühnereier mit Firniss und beobachtete den Einfluss 
der Lackirung auf die Entwicklungsvorgänge im Embryo. 
Vollständiges Lackiren verhindert zwar anfänglich die Entwicklung 
nicht, ruft aber vollkommenen Stillstand derselben hervor, sobald der Vorrat 
an Sauerstoff im Ei verbraucht ist. Partielles Lackiren bedingt bei normaler 
Temperatur keine scharfen Veränderungen, namentlich in den ersten Entwick¬ 
lungsstadien; natürlich ist der allgemeine, hemmende Einfluss der Lackirung 
um so bemerkbarer, je grösser die lackirte Fläche am Ei ist. 
Auf Grund seiner sonstigen zahlreichen und genauen Beobachtungen über 
die Entwicklung des Hühnchens und auch teilweise der Thatsachen gegen¬ 
wärtiger Arbeit schildert der Autor das anfängliche Wachstum der Keimscheibe 
des Hühnereies folgendermaassen. 
Der Ausgangspunkt des Wachstums ist das Centrum des Blastoderms 
oder, richtiger, des hellen Fruchthofs; von hier aus schreitet es vor allem 
in der Schwanzrichtung fort, indem es sich durch Bildung des Primitiv¬ 
streifens und Ausbreitung des hinteren Randes des hellen Fruchthofs aus¬ 
drückt. Dieses Stadium des Wachstums findet seinen Abschluss am ersten Be¬ 
brütungstage und macht dann einem andern Platz, wo die Differenzirung in der 
Kopfrichtung beginnt, welche durch Bildung der Chorda, der Medularplatte 
ii. s. w. ihren Ausdruck findet. Darnach beginnt eine neue Serie von Diffe- 
renzirungen in der Schwanzrichtung, wenn das erste Paar der Ursegmente 
erscheint;—von diesem Augenblicke an ist die Bildung des Körpers des Em¬ 
bryo gesichert. Neue Körperteile, unaufhaltsam aus der Wachstumszone aus¬ 
gehend, welche mit dem Ausgangspunkte des Wachstums zusammenfällt, keilen 
sich zwischen die Kopf- und Rumpfabteilung ein und bedingen das Wachsen 
des Embryo in die Länge. Die Rumpfabteilung wird dabei in kurzer Zeit grös¬ 
ser, was auf intensiveres Wachstum in der Schwanzrichtung hinweist. Daher 
hält die Lackirung der hinteren Eihälfte im Laufe des ersten Tages die Ent¬ 
wicklung des hinteren Embryoendes zurück, übt aber einen verderblichen 
Einfluss auch auf das Vorderende aus. 
In der Bildung der langen Primitivrinne, die in dem nach hinten lang¬ 
gestreckten hellen Fruchthofe liegt, ist sichtlich ein mechanisches Element 
enthalten, welches für die bezüglichen Complicationen nach vorwärts von der 
Wachstumszone notwendig ist. Sobald die normale Bildung des Primitivstreifens 
gehemmt ist, wird auch die Entwicklung des vordem Bezirks des hellen Frucht¬ 
hofs verhindert. 
Es ist auch begreiflich, warum, wenn die Lackirung der vorderen Eihälfte 
einen hemmenden Einfluss auf die Bildung des Kopfbezirks ausübt, zugleich
        

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