Bauhaus-Universität Weimar

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UHIIÖRBLÄSCIIEX BE! PTEKOTEAOHEIOAE. 
übliche Lage wiederzugewinnen wird von unregelmässigen Rotationsbewegungen 
begleitet, die mit einer der 3 Achsen zusammenfallen. Bloss wenn es die 
AYaud oder den Boden des Gefässes berührt, gelingt es ihm, und auch dann 
nicht sofort, vom Gesichts- und Fühlvermögen geleitet, die normale Lage an- 
zunehmen. Ein geblendeter Mollusk bewegt sich langsam, jedoch immer regel¬ 
recht. auf geradem AVege, ohne Rotationsbewegungen fort. Tiere, die der Au¬ 
gen und Gehörbläschen zugleich beraubt sind, verlieren jegliches Vermögen 
sich regelmässig fortzubewegen: bald drehen sie sich beim Schwimmen, bald 
legen sie grosse Strecken auf dem Rücken zuiück, bald endlich purzeln sie. 
AI it einem Wort, ein des Otocisten beraubtes Tier verliert die Fähigkeit sich 
zu orientieren und kann die normale Lage nur ein Zustande der Ruhe erlan¬ 
gen, indem es sich mit seinen Saugnäpfen an die nächsten unbeweglichen Ge¬ 
genstände anheftet. Wodurch, fragt nun Ives Delage, werden diese Erscheinun¬ 
gen hervorgerufen? Natürlich nicht durch die Reizung. Sobald der Otocist 
eröffnet, die Flüssigkeit ausgeflossen, die Höhlung mit einer Kürette ansge¬ 
kratzt—wie er es in seinen Experimenten that—der Otolith entfernt ist—so 
ist das Organ zerstört und kann nur unnormale Empfindungen ergeben. Frei¬ 
lich wird das Ende des n. acusticus im Verlauf der Operation stark gereizt, 
doch verschwindet die Reizung nach einigen Tagen, wenn der Durchschnitt 
sich vernarbt hat, die Störungen der Bewegungen vermindern sich dagegen 
nicht. Ives Delage erklärt diese Erscheinung in der AYeise, dass er zulässt, 
dass die Otocisten dem Tiere zu Folgendem dienen: sie geben ihm durch spo- 
cielle Empfindungen kund, welche Rotationsbewegungen der Körper macht, 
und rufen durch einen Reflex geringe Ausbesserungen hervor, die den Kör¬ 
per in seiner normalen Lage erhalten und ihn daran hindern, den AYeg. den 
er verfolgen soll, zu verlassen. Sobald die Funktion des Otocisten aufhört, 
werden die Rotationsbewegungen nicht mehr automatisch ausgebessert, ver¬ 
stärken ' sich und bringen das Tier dazu, den Charakter seiner Bewegungen 
zu ändern. Bei langsamem Schwimmen können die anderen Sinne, z. B. das 
Sehvermögen dem Tiere die Kenntnisse zuführen, die er sonst vom Otocisten 
erhält. Die Thätigkeit dieser Organe ist weniger genau und schnell, da sie 
nicht durch Reflexe bewirkt wird: In diesen Fällen muss das Empfinden sozu¬ 
sagen zur Einsicht werden, muss eine Idee erwecken und eine AYillensregung 
hervorrufen, dank welchen das Tier dann seinen Fehler ausbessert. Diese Aus¬ 
besserung verlangt Zeit; ebenso hat auch die Abweichung, bevor sie ausge¬ 
bessert wird, Zeit genügende Kraft zu erlangen und dies um so mehr, je 
schneller die Bewegung des Tieres ist. Dass die oben angeführten Störungen 
der Bewegung von der Zerstörung des Otocisten abhängen und nicht vom 
Trauma bei der Operation, ersieht man daraus, dass geblendete Tiere zwar 
langsam und unentschlossen, jedoch vollkommen regelrecht schwimmen; selbst 
wenn sie sich schnell fortbewegen, kann man nicht das geringste Drehen des 
Körpers bemerken, ihr AYeg ist gerade. Dies beweist, dass ein legulatoiisches 
Organ existirt, das von der Sehkraft unabhängig ist, und das für sich allein 
eine unbedingt regelmässige Fortbewegung sichert. Tiere, die der Augen und 
Otocisten zugleich beraubt werden, verlieren absolut das Orientirungsvermögen: 
sie drehen sich nicht nur während des Schwimmens, ja sie können nicht ein-
        

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