Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Frage über den Einfluss der verschiedenen Strahlen des Spectrums auf die Entwicklung und die Färbung der Tiere
Person:
Nenükow, Dimitri
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36253/6/
UEBER DEN EINFLUSS DER VERSCHIEDENEN STRAHLEN. 
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Alle diese Tabellen zeigen deutlich genug, dass wie in den einzelnen Pe¬ 
rioden, so auch im Allgemeinen die Entwicklung am schnellsten hei gewöhn¬ 
lichem Lichte vor sich geht, dass die grünen Strahlen grosse Sterblichkeit be¬ 
dingen und die Entwicklung bedeutend beeinträchtigen, während die roten 
und violetten die Mitte halten, wobei bei den roten die Entwicklung etwas 
schneller vor sich geht. Dabei muss ich bemerken, dass ich in der Schachtel 
mit den violetten Glässern die Raupen immer an der unteren Seite der Blät¬ 
ter fand, wohin sie sich augenscheinlich vor diesen Strahlen, die eine unange¬ 
nehme Empfindung in ihnen hervorriefen, geflüchtet hatten.—Auf die Frage 
über die Färbung übergehend, muss ich sagen, dass es mir nicht gelungen 
st eine Veränderung derselben weder bei den Larven, noch bei den Puppen, 
noch auch bei erwachsenen Individuen zu erhalten, obgleich ich ausser an Pie- 
ris rapae auch noch Raupen des buntfarbigen Schmetterlings Vanessa nrticae 
unter dem Einfluss derselben Strahlen aufgezogen habe. Auch bei keinem der 
obengenannten Autoren habe ich irgend eine Andeutung darüber gefunden, 
dass bei ihren Versuchen eine Veränderung in der Färbung stattgefunden hat¬ 
te. Was den von Gräber beschriebenen Versuch, bei welchem unter dem Ein¬ 
fluss gelber Strahlen bei erwachsenen Vanessa polijchloros, anstatt der gewöhn¬ 
lichen blauen Flecken auf den Flügeln, graue erhalten worden waren, so habe 
ich zwar mit dieser Art keine Versuche gemacht, aber bei dem ihm verwand¬ 
ten Schmetterling Vanessa nrticae kommt eine solche Farbenveränderung bei 
in gewöhnlichem weissem Lichte ausgekrochenen Individuen vor und muss daher 
als Varietät angesehen werden. Es ist natürlich a priori schwer zu sagen, 
warum weder ich noch meine Vorgänger, ausser Gräber, eine Farben Verände¬ 
rung beobachten konnten, sei es dass wir uns bei unseren Versuchen solcher 
Tiere bedienten, die sich durch besonders beständige Pigmentirung auszeichne¬ 
ten, oder dass die verschiedenen Strahlen des Spectrums keinen Einfluss auf 
die Entwicklung dieses oder jenes Pigments ausüben. Ohne irgend welche Ver¬ 
allgemeinerungen zu wagen, will ich nur bemerken, dass die von mir gewon¬ 
nenen Thatsachen zu denen der obengenannten Autoren m scharfem Wider¬ 
spruch stehen. Während alle meine Vorgänger, ausser Gorbacewicz, behaupten, 
dass die violetten Strahlen im Vergleich mit den andern die Entwicklung 
merklich beschleunigen, kann ich nicht anders als dem gewöhnlichen unzer- 
streuten Lichte die erste, den violetten Strahlen aber erst die dritte Stelle 
einräumen. Gleicherweise stimmen die von mir erhaltenen Resultate auch 
mit denen von Young in Bezug auf die roten Strahlen nicht überein; Young 
sagt nämlich, dass die roten Strahlen die Entwicklung hemmen, während ich 
dieselben sogar über die violetten stellen muss und mich darin mehr Gorba- 
cewicz und Béclard nähere. In meiner historischen Uebersicht über die Lite¬ 
ratur dieses Gegenstandes wies ich darauf hin, dass Young’s Versuche an 
Hydra viridis und Convoi ata Schultzii ganz unerwartete Resultate geliefert 
hatten; wenn man denselben die ganz einzeln dastehenden Untersuchungen 
Gorbacewicz’s zur Seite stellt, so erhält man unvereinbare Resultate. Wahr¬ 
scheinlich liegt die Ursache davon darin, dass die Strahlen des Spectrums auf 
verschiedene Tiere eine ungleiche Wirkung ausüben, obgleich nicht zu leugnen 
ist, dass diese Widersprüche auch teilweise der Verschiedenartigkeit der bei 
den Untersuchungen angewandten Methoden zuzuschreiben ist.
        

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