Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Walter Bowers Pillsbury: The Reading of Woords: A Study in Apperception. American Journal of Psychology Vol. VIII, Nr. 3, S. 315-393. 1897
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36239/2/
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Literaturbericht 
Falschen hinführt und fernerhin ob und wie weit ein vorher ins Bewnfei¬ 
sern gerufenes Wort verändernd auf das Ergebnils des 'Lesens wirkt. 
Die Versuche zeigten nun bezüglich des ersten Factors, dal® am. 
häufigsten bemerkt wurden ausgelassen© Buchstaben, dann häufig die un¬ 
richtigen, am wenigsten oft die unleserlichen. Am wirksamsten war also 
der objective Factor in der Form der Auslassung, Weiterhin wurde be¬ 
merkt, dale di© Wahrnehmung der Fehler auffallend abnahm, je mehr di© 
fehlerhafte Stelle des Wortes vom Wortanfang entfernt war. 
Bezüglich des subjectIv©n oder centralen Factors ergab sich, 
dafs die Längendifferenz zwischen dem zu lesenden, um. einen Buchstaben 
verkürzten Wort und dem. entsprechenden richtigen keinen merklichen 
Einflnfs auf das Wahrnehmen beiw. Uebersehen des Fehlers hat Dagegen 
erwies sich als sehr wirksam das vorausgehende Kufen eines Worte«, da® 
mit dem zu lesenden, verstümmelten Wort in Beziehung stand. Es trug 
viel dazu bei, di© Fehler zu übersehen, ebenso wie auch beim Experimen- 
tiren gesprochene oder gelesene Wort oder jüngst Gelesenes oder Be¬ 
sprochenes ein Uebersehen der Fehler zu begünstigen schienen. .Bei dem 
Suchen nach der Ursache, aus welcher bei dem die Fehler übersehenden 
Lesen gerade dieser oder gerade jener Buchstabe sich unvermerkt ein¬ 
schiebe, wird man wieder auf die Gesetze geführt, welche die Associations- 
erscheinungen beherrschen. Wenn, der Verf. übrigens glaubt, die Asso- 
ciationspsychologie sehe lediglich in der Häufigkeit des Zusammenseins 
der Bewusstseinsinhalte dasjenige Moment, das im Wettstreit associirter zur 
Reproduction sich drängende Vorstellungen den Ausschlag geben, so irrt 
er sich, Ziehen’s ‘Leitfaden der physiologischen Psychologie’ S, 157 ff, kann 
ihn eines Änderen belehren. Ueberhaupt scheint ausgedehnte Heranziehung 
der Literatur nicht die Sache des sonst tüchtigen Verf, zu sein. Selbst 
Memnobb-Mayer: Versprechen und Verlesen (Stuttgart,: Göschen 1895) ist 
ihm unbekannt geblieben. 
Den Schlafs der Abhandlung bildet eine nochmalige Besprechung der 
WüNDT’schen Theorie. Verf. kommt zum, Endergebnif®, dafs sämmtliche 
von IVunbi unterschiedenen associativen und appercept!ven Process© in 
den einen Assimilationsprocefs einmünden. M, Opfmeb (München), 
Jüan Philippe, fl d’imig61 mentales. Mm philos. 44, S. 508— 524. 
(Nov. 1897.) 
ln welchem Verhältnifs steht die Anzahl der Erinnerungsbilder, di© 
wir von. einem bestimmten Gegenstand haben, zu der Häufigkeit, mit der 
wir den. Gegenstand wahrgenommen haben? Verf. sucht dies Problem durch 
Austragung zu lösen, indem er mehrere Personen ihre Erinnerungsbilder 
der folgenden Objecte : Venus von Milo, Stecknadel, Cigarette, Buchstabe Â, 
Antlitz der Mutter, auf zäh len und beschreiben liefs. Sein Brgebnifs lautet 
dahin: Die Erinnerungsbilder sind um so weniger zahlreich, je häufiger 
die entsprechenden Vorstellungen vorhanden gewesen sind. Die meisten 
Personen — ©s wurden meist solche von visuellem Typus befragt — be* 
saften mehrere scharf umgrenzte und scharf gegeneinander abgegrenzte, 
deutlich localisirbare und beschreibbare Erinnerungsbilder der Venus von
        

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