Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
J. Mark Baldwin: On Selective Thinking. President's Adress, American Psychological Association, Cornell Meeting. December 1897. Psychological Review V (1), 1-24. 1898
Person:
Offner, M.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36238/1/
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Literaturbericht 
„Untersuchungen tber den Ursprung der angenehmen und unangenehmem 
Empfindungen“, wo er im Allgemeinen WoLFp’sehen Spuren folgt, unter 
B.ss Einfiufs ebenso wie Tiibnb und sogar Hbbbjsb in der Schrift „Vom Er¬ 
kennen und Empfinden der menschlichen Seele“' 1777. Nicht minder ein¬ 
greifend wirkte B. durch seine Theorie der Aufmerksamkeit und durch 
seine Auflassung vom Wesen der Seele, wodurch er zu dem ersten Be¬ 
kämpf er der von Wolff vertretenen Lehr© von dem Seelen vermögen ge¬ 
worden ist. Ganz besondere tiefen Eindruck aber machte seine Unsterb¬ 
lichkeitslehre auf Laien noch mehr denn auf Fachmänner. 
Wenn Rer. auch gerne noch Genaueres über die Einwirkung B/s auf 
Flögil, v. Crbuz und Weickabd, auf welche Ref. in. seiner Untersuchung 
„Di© Psychologie Chaules Bonnet's“ kurz Mngewiesen hat, erfahren hätte, 
so steht er doch keinen Augenblick an, die Darlegungen des Verl, als einen 
höchst dankenswerthen Beitrag zu begrüfsen zur Würdigung des als Mensch 
wie als Denker gleich hochstehenden Vorläufers unserer heutigen empiri¬ 
schen Psychologie, die dem alten Bonnet vielleicht mehr verdankt als sie 
selber glaubt. M. Offne» (München). 
J, Maäk Baldwin. Il Selective Thilttng. President's Ädremf American 
Psychological Association. Cornell Meeting. December 1897. Psychological 
Review V (1), 1—24. 1898. 
Schon in seinem Buch ‘Mental Development in the Child and the 
Race’ hat Baldwin neben der für die Entwickelung der Gattung wichtigen 
natürlichen Zuchtwahl, welche die für den Kampf ums Dasein un¬ 
genügend ausgestatteten Individuen zu Grunde gehen, die besser ausge¬ 
statteten überleben läfst, auch für die Entwickelung des Individuums eine 
Auswahl angenommen, welche unter den vielen möglichen lieactionen auf 
äinhere Reiz© die für das Individuum günstigeren festhllt, die weniger 
günstigen dagegen verschwinden läfst. Diese der natürlichen Zuchtwahl 
vorausgehende und vorarbeitende Selection nennt er, wie es scheint, nach 
dem Vorgänge Anderer, organische Selection; der Uebersetzer seines 
erwähnten. Hauptwerkes tauft sie unseres Erachtens glücklicher functio¬ 
neile Selection. Von diesem Standpunkte aus entdeckt B„ nun auch 
im menschlichen Denken eine ähnliche Auswahl, ein aus wählendes Denken, 
das sich als eine Bestimmung unseres Vorstellungsablaufes und seiner 
Folgen darstellt, die ja beide sowohl beim Individuum wie bei der 
Menschheit eine gewiss© Entwickelungsrichtung zeigen. Diese Gedanken 
hat B. schon ausgesprochen in seinen ‘Social and Ethical Interpretations in 
Mental Development’ (1897). Der breiteren Ausführung desselben dient die 
vorliegende Untersuchung, und zwar nach folgenden Gesichtspunkten: 
1. Material des auswählenden Denkens (die Fülle der Gedankenvariationen), 
2. die Function des Auswählens (auf 'welche Weise sich bestimmt© Varia¬ 
tionen erhalten, andere verschwinden), 3. die Krîterîa des Auswählens 
(welche Variationen sich erhalten, welche nicht). Freilich ist auch diese 
breiter© Ausführung noch immer zu schematisch und zu abstract gehalten, 
als dafs sie bei Baldwin’s unter dem Reichthum der Gedanken schwer 
tragender, wenig anschaulicher Pars teil ungs weise in allen Punkten klar 
und durchsichtig wäre. M. Opfmib (München).
        

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