Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Wundt: Ueber naiven und kritischen Realismus. Philosoph. Studien Bd. XII, S. 307-408; Bd. XIII, S. 1-105 u. 323-433
Person:
Stern, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36234/3/
Literaturbericht. 
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nicht durch nachweisbar© Widersprüche, zu denen dies fuhrt, als ein blofser 
Schein, nachgewieeem ist“ (I 327). Und: „Kein Datum der Erfahrung-darf 
grundlos negirt werden.11 (I 332). Das Object ging nicht im Subject auf,, 
sondern erwies sich als tote genere verschieden. Darum besteht nicht 
einfache Buplicität zwischen Gegenstand, und Vorstellung, sondern ©reterer 
Ißt ein aus besonderer logischer Bearbeitung hervorgegangenes Product. 
Jene „Bearbeitung“ aber ©xistirt für die immanente Philosophie nicht. — 
Die Consequent der immanenten Philosophie mois zum Solipsismus führen ; 
doch will sie dim nicht wahr haben. So hat sie zwei Wege gefunden, um 
über das individuelle Ich hinaus zu kommen. Entweder argument!rt man: 
Wir haben Bewusstseinsinhalt© von fremden Leibern, die auf fremde Iche 
sehliefsen lassen. Dies, ist, wie W. darthut, ©in arger logischer Sprung, 
da Anerkennung einer bestimmten objectiven Realität nur möglich ist* 
wenn der Begriff der Re&Htftt zuvor schon gegeben ist. Oder man geht auf 
logischem Wege vor: Abstrahirt man am Ich von jedem concrete» Be 
wulstseinsinhalt, so bleibt etwas, das von jedem anderen individuellen Ich 
nicht mehr unterschieden werden kann: „Das Gattungsmäfsige des Be- 
wufsteeins“ ist die Vorbedingung des Goncreten und Individuellen. Hier 
gemahnt di© Immanenzphilosophie stark an die platonische Ideenlehre. — 
Wie unterscheidet di© Bewufstseinsphilosophie schlieMich die Objecte der 
Psychologie und der Naturwissenschaft, da doch Sein und Bewufstsein 
identisch ist? Die bekannte Definition Wundt’s : dafa Naturwissenschaft 
die Objecte der Erfahrung nach Abstraction von. dem Subject, Psychologie 
aber das Subject selbst berücksichtigt, ist für die Immanenzlehre untaug¬ 
lich; denn nach Ihr kann man vom. Subject überhaupt nicht abstrahiren. 
So definirt sie als Gegenstand der Naturwissenschaft das „gattungsmäfsige 
Bewufstsein“, während Psychologie die Wissenschaft von demjenigen ist, 
"was am Bewusstsein zur Individualität gehört und diese ausmacht. Oder 
aber: Di© Empfindungen werden der Naturwissenschaft, die Vorstellungen 
der Psychologie zugetheilt, Beide Abgreniiingsverauche werden von Wundt 
als völlig unzureichend dargethan. — 
Eine noch eingehendere Behandlung als die Immanenzphilosophie 
erfährt der Empi r i o k r iticismus, und er verdient sie wohl auch, haben 
wir es doch Mer mit einer philosophischen Richtung zu. thun, die bereits 
In bemerkenswerther Weise Schule gemacht hat. Nun fit aber für den 
Aufsenstehenden der Zugang zu der AvBNAHius’schen Lehre recht uner¬ 
quicklich, einerseits wegen der terminologischen Schwierigkeiten (da 
Avbnabius meinte, die Originalität seiner Anschauungen durch eine Unzahl 
neuer Wortbildungen zum Ausdruck bringen zu müssen), andererseits 
wegen des anmaafslichen Gebahrens einiger Adepten, die da glauben, die 
Wissenschaftlichkeit allein in Pacht genommen zu haben. So ist es denn 
doppelt verdienstvoll, dafs Wünbt sich der Arbeit unterzieht, den Haupt¬ 
gehalt der Lehr© aus der esoterischen Kunstsprache in gutes Deutsch zu 
übersetzen und In objectiver Würdigung zu zergliedern. 
Wünbt führt den, unwiderleglichen Nachweis, dafs der „Empirio- 
kriticismus“ nicht rein empirisch, sondern stark metaphysisch, und nicht 
rein kritisch, sondern stark dogmatisch ist. Er beginnt mit einer kurzen 
Uebersicht über da« System (II, S. 1); um dann die empiriokritischen Vor-
        

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