Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
W. Wundt: Ueber naiven und kritischen Realismus. Philosoph. Studien Bd. XII, S. 307-408; Bd. XIII, S. 1-105 u. 323-433
Person:
Stern, W.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36234/1/
LUeraturbericht. 
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nicht mehr gehört wird. Dann wird li© direct vor da« — normale oder 
krank© — Ohr gebracht mud di© „Bestzeit14, während der sie nun noch 
hörbar ist» gemessen; oder es wird die Entfernung vom Ohr bestimmt» in 
der die Gabel dann noch zu hören ist. Diese letztere Methode empfiehlt 
D. zur Prüfung der relativen Böriehärfe für Töne verschiedener * 
Höhe. Wenn man in dieser Weise bei Erkrankungen de« Gehörorgans 
die relative Hörschftrfe prüft» so ist das Resultat der Prüfung nach D. häufig 
ein ganz anderes» .als wenn man die Hörprüfung nach der Zeitdauer, während 
welcher die Gabeln gehört werden» ausübt. Namentlich vermindere sich so 
.die Zahl der Fälle, in denen man eine relative Herabsetzung der Hörsehtrf© 
für tief© Töne annehmen zu müssen glaube, 
_____ Mae Mim (Berlin), 
W, Wundt. liier lätfil und krl'ttoelit lüttllllf.. Philosoph. Studien Bd. XII» 
S. 307—408; Bd. XIII» S. 1-105 u. 323—433. 
In drei umfangreichen Aufsätzen unterzieht Wundt zwei, gegenwärtig 
florirende philosophische Richtungen» die Immanenzphilosophie und den 
EmpiriokriticismuH, einer kritischen Betrachtung, wie sie gründlicher, ein¬ 
schneidender und aufklärender nicht gedacht werden kann. Aber er giebt 
noch mehr als Kritik; di© Zergliederung der fremden Gedankengänge wird 
ihm zum Anlafs, seine eigenen Anschauungen über Ursprung» Werth und 
Wesen des Erkennen« nochmals zu entwickeln und zum Theil in neu® 
Beleuchtung zu rücken, W. verdient für die mühevolle Sorgfalt, mit der 
er den Ideenfolgen, zeitgenössischer Denker auf ihren graden und krummen 
Wegen» bis in versteckte Winkel und letzte Consequenaen. hinein nachging, 
den warmen Dank jedes philosophisch Interessirten. Denn man mag au 
Immanenz, Empiriokritik und Wundt’scher Erkenn tnifstheorie stehen» wie 
man will, man wird anerkennen müssen» dafs jene Aufsätze in die letzten 
Quellen und Triebfedern» aber auch in die Schwächen und Selbst¬ 
täuschungen moderner PMlosopheme Einblicke von eminentem, Werth© 
verschaffen. Vor der WuNBT’schen Kritik mufs di© dogmatische Beitet- 
gewifsheit, mit der die von ihm besprochenen Standpunkte oft vertreten 
wurden» endgültig capitullren; sie werden sich nach neuen Argumenten 
umaehen» zum Theil auch zu einer Revision ihrer Grundideen eich ent- 
»chliefsen müssen. 
Obwohl scheinbar nur erkenntnifstheoretischer Tendenz, sind di© 
Aufsätze Wundt’s doch auch für die Zwecke dieser Zeitschrift bedeutsam. 
Einerseits nämlich nimmt W. zu den Definitionen und Einrangirungen» die 
die Psychologie bei den realistischen Philosophen erfährt» Stellung; an¬ 
dererseits und vor Allem verrftth die Art» wie er erkenntnifstheoretische 
Fragen behandelt» stete den Psychologen ; wir dürfen in seinen Ausführungen 
werthvolle Beiträge zu einer Psychologie des Erkennen« erblicken. 
Die gemeinsame Tendenz des modernen philosophischen Realismus 
ist nach W. „die unverfälschte durch keiner!© Vorurtheile und willkür¬ 
liche Construetionen getrübte Erkenntnifg der in der Erfahrungswelt ent¬ 
haltenen concreten Wirklichkeit“ (I 302). Er tritt auf in der Form der 
Bewufstseins- oder immanenten Philosophie eines Schuppe, Schubebt-Solbbrn» 
Kauffxaxk, und in der empiriokritischen eines Avknawu» und seiner
        

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