Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Lehre von der Entstehung der koordinierten Augenbewegungen
Person:
Simon, Richard
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36198/1/
Zur Lehre von der Entstehung der koordinierten 
Augenbewegungen. 
Von 
Richard Simon. 
• (Mit 11 Figuren im Text.) 
I. 
Gegenüber der von Hering verfochtenen Ansicht, dafs die 
Koordination der Augenbewegnngen nicht auf Einübung, son¬ 
dern auf einem angeborenen Zwange beruht, vertritt Helmholtz 
auch in der noch von ihm selbst bearbeiteten achten Lieferung 
der neuen Auflage seiner „Physiologischen Optika den empiristischen 
Standpunkt, dafs, trotz des scheinbaren Zwanges, beim nor¬ 
malen Sehen beide Augen übereinstimmend zu bewegen und 
auch die Akkommodation damit in Übereinstimmung zu bringen, 
die Gesetzmäfsigkeit dieser Verbindungen nur auf Einübung 
beruht. Allerdings hält es auch Helmholtz für wahrscheinlich,1 
„dafs das Wachstum der Muskeln und vielleicht selbst die 
Leitungsfähigkeit der Nervenbahnen sich den Forderungen, 
die an sie gemacht werden, im Laufe jedes individuellen Lebens 
und vielleicht selbst durch Vererbung im Laufe des Lebens der 
Gattung so anpafst, dafs die geforderten zweckmäfsigsten Be¬ 
wegungen auch die leichtesten werdenso dafs der Gegensatz 
1 Physiol. Optik. 2. Anfl. S. 949. 
2 Hering (Zur Lehre vom Lichtsinne. Sitzungsber. d. math.-natur- 
wissenschaftl. Klasse d. Kaiserl. Akad. d. Wiss. 1872. Bd. LXVI. 8. Abteil. 
S. 5) fafst den G-egensatz zwischen Empirismus und Nativismus dahin 
auf, dafs „der nativistische Physiolog dasjenige, was der sog. Empiris¬ 
mus als einen Erwerb des individuellen Lebens ansieht, als einen Erwerb 
des Lebens aller jener zahllosen Wesen betrachtet, mit welchen das jetzt 
lebende Individuum in aufsteigender Linie verwandt ist, und von welchen 
es das ihm Angeborene geerbt hat“.
        

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