Bauhaus-Universität Weimar

Über die Wirkung kurzdauernder Lichtreize auf das Sehorgan. 
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unterbrochen werden. Die Träger nun, an denen jene Plättchen 
befestigt sind, lassen sich (etwa wie beim Differentialrheotom) 
längs der Kreisperipherie verschieben. So kann man es nun ganz 
wohl und mit relativ grofser Genauigkeit dahin bringen, dafs der 
erste Anschlag dann gehört wird, wenn das primäre, der zweite 
dann, wenn das sekundäre Bild am Fixationspunkte vorbeiläuft. 
Auf diese Weise läfst sich wenigstens das mit Sicherheit konsta¬ 
tieren, dafs die Zeitdifferenz zwischen dem Beginn des primären 
und dem Beginn des sekundären Bildes mit zunehmender 
Lichtstärke sich vermindert. Bei nicht sehr starkem Licht 
konnte ich das Intervall bis auf 7* Sekunde ansteigen sehen, 
und hiermit ist zugleich der höchste Wert der Verzögerung 
bezeichnet, den, soweit ich finde, die sekundäre Erregung gegen¬ 
über der primären erfahren kann. Mit Benutzung gröfserer 
Lichtstärken konnte ich das Intervall bei dem gleichen Adap¬ 
tationszustande auf etwa Vß Sekunde vermindern und hätte 
es wohl noch weiter vermindern können, wenn nicht alsdann 
die Verlängerung des primären Bildes und die damit verbundene 
Reduzierung des dunklen Intervalls die Bestimmung erschwerte. 
Mit zunehmender Dunkeladaptation nimmt das in Rede stehende 
Zeitintervall, wenn man die Lichtstärke unvermindert erhält, 
auch ab. Doch kann ich darüber keine bestimmten Angaben 
machen, weil die niemals über längere Zeiten ganz konstante 
Lichtstärke der Bogenlampe sich hier als störende Fehlerquelle 
geltend machte. 
Die Erscheinung kann in der oben beschriebenen Form, 
wie gesagt, bei hell oder schwach dunkeladaptiertem Auge 
gesehen werden. Zum Verständnis des Folgenden wird es am 
dienlichsten sein, wenn ich sogleich das entgegengesetzte 
Extrem schildere. Dies entspricht einer sehr hochgradigen 
Dunkeladaptation, und ich betone, dafs, wenn man das Phänomen 
in der nunmehr zu schildernden Art sicher beobachten will, 
die im allgemeinen für maximale Adaptation ausreichende 
Dauer von einer halben Stunde nicht genügt; es ist wünschens¬ 
wert, mindestens zwei Stunden die Augen vor Lichteinfall zu 
schützen. Bei diesem Augenzustande nun ist die Erscheinung 
völlig verändert. Eine recurrent vision ist gar nicht zu sehen; 
dagegen sieht man im unmittelbaren Anschlufs an das primäre 
Bild einen, je nach der angewandten Lichtstärke längeren oder 
kürzeren, glänzend weifsen Streifen.
        

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