Bauhaus-Universität Weimar

Raumästhetik und geometrisch-optische Täuschungen. 
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anderen, sondern um die Gröfse von. Th eilen einer Fliehe 
handelt es sich jetzt. Die Linie B theilt die Fläche zwischen E 
und F in zwei Hälften- Die Linie C theilt die eine Hälfte, nämlich 
die J lälfte zwischen B und F, von Neuem, während die andere Hälfte 
ungetheilt bleibt. Die Folge ist, dafs — nach dem Gesetz der 
Theilungstäuschungen — die getheilte Hälfte gröfser erscheint. 
Von dieser bestimmt gearteten Theilungstäuschung 
nun, und nicht von der LoEB’schen Täuschung, noch weniger 
von der vermeintlichen LoEB’schen .Täuschung, d. h. der¬ 
jenigen , die aus dem angeblichen Contrast des Rechts und 
Links sich ergeben soll, zeigt Hetmans, dafs sie mit der 
ZöLLNER’schen Täuschung, oder genauer gesagt, mit einem be¬ 
stimmten Fall© derselben, dem gleichen Gesetz gehorcht. 
Hetmans kann also auch unmöglich aus dem., was er gefunden hat, 
den Schlafs ziehen, dafe der ZöLLNER’schen Täuschung dasselbe 
Princip zu Grunde liege, wie der LoEB’schen oder vielmehr, wie 
jener vermeintlichen LoEB’schen Täuschung. 
In tier That ist es die letztere, auf welch© Hetmans die 
Zöllner sehe Täuschung zurückführen will Wie bei jener 
eine Lime durch eine neben ihr befindliche Parallele, so 
-sollen bei der ZöLLNER’schen Figur die Hauptlinien durch die 
-neben ihnen verlaufenden schrägen Linien „abgestofson“ 
werden. Nach dem eben Gesagten müfste Hetmans vielmehr 
.erklären: So gewifs jene Parallelen an sich betrachtet, sich 
nicht abstofsen, sondern anziehen, so gewifs müfste bei der 
.ZöLLNER’schen Figur, wenn, dabei nicht ein total anderes Princip 
-in Frage käme, die thatsächlich vorliegende Täuschung in ihr 
Gegentheil verkehrt erscheinen. 
Allerdings findet ja im gewissen Sinne bei der ZÖLLNBR'schen 
Figur eine solche Abstofsung wirklich statt Es wirkt bei ihr 
-ein Contrastgesetz. Aber der Contrast, um den es sich dabei 
handelt, ist ein Contrast der Richtungen. Dieser Contrast ist 
uns oben, schon zweimal begegnet. Hier liegt derselbe in eigen¬ 
artiger Modification vor. Di© schrägen Linien der Zöllnbb'- 
sehen Figur sehliefsen in sich eine entsprechende Bewegung. 
Dieser widersetzen sich die Hauptlinien oder halten ihr Stand. 
Dazu bedürfen sie einer nach entgegengesetzter Richtung gehen¬ 
den Thätigkeit Indem, wir dieser in der Vorstellung folgen, 
■drehen wir di© Hauptlinien entsprechend. Dies ist der Grund 
-der Zöllner’ sehen Täuschung.
        

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