Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maaßbestimmungen über die Reinheit consonanter Intervalle
Person:
Stumpf, C. M. Meyer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36179/8/
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C. Stumpf und J£ Meyer, 
rechneten Werthen nur wenig ab wichen. Die Abweichungen 
wurden bis auf 3 Decim&len bestimmt, sind, aber in den folgen¬ 
den Tabellen auf eine Décimale abgerundet. 
So erhielt ich ein© grofse Anzahl kleiner Terzen, deren Ab¬ 
weichung von 5:6 genau bekannt war. Die kleinsten Ver¬ 
stimmungen betrugen -§* 0,470 und — 0,353. Die gröfste konnte 
natürlich beliebig gewählt werden, ich ging darin bis ungefähr 
ß Schwingungen, nämlich -f- 5,722 und — 6,318. So waren 
12 Verstimmungen nach der Plusseite, 13 nach der Minusseite 
zwischen den genannten Grenzen gegeben; freilich nicht genau 
gleichmäfsig unter einander abgestuft, sondern so wie sie sich 
nach der .zufälligen thatsäehliehen Stimmung der Zungen dar- 
boten. 
Als Beobachter diente ich selbst und Stud. Bun. Bieder¬ 
mann. Der letztere ist musikalisch ausgezeichnet begabt und 
geübt Ich kann mir bei weniger hervorragender Musikbegabung 
doch wenigstens eine gut© akustische Vorübung zuschreiben. 
Bemerkenswerth' ist, dafs Biedermann auf dem einen Ohr fast 
taub ist, und daft meine beiden Ohren in Hinsicht der Tonhöhe 
eines gleichen objectiven Tons merklich© Unterschiede darbieten 
(vgl. m. Tonpsych. II, 320). Natürlich wandte ich, immer Bin 
Ohr vorwiegend der Schallquelle zu. Es ist denkbar, dafs für 
Biedermann die Noth,Wendigkeit, beständig nur einunddasselbe 
Ohr zu benützen, in Hinsicht der Feinheit der Unterscheidungen 
geradezu einen Vortheil darstellte; freilich ist auch dl© Gefahr 
der Ermüdung gröfeer. Die Versuche selbst, das Angeben der 
Töne etc. besorgte mit grofser Geduld und Sorgfalt Stad,.. 
C. Dibijbn, 
Die Urtheilenden hatten nicht zu sagen, ob sie überhaupt 
eine Unreinheit bemerkten, sondern bestimmter, ob ihnen das 
Intervall rein oder zu grofs oder zu Hein, erscheine. Wenn 
wir im Folgenden von der Zahl der „richtigen44 und der 
„falschen44 Unheil© sprechen, ist es zunächst nur eine abgekürzte 
Ausdrucksweise für das Verhalten des Urtheils 'unter bestimmten 
physikalischen Umständen : „Richtiges Urtheil“ bedeutet 
nur, dafs ein physikalisch zu Meines Intervall auch als zu klein 
beurtheilt wurde u. s. £.; also = objectiv richtiges. Es soll 
nichts darüber präjudicirt sein, welches physikalische Verhältnis 
subjectiv als rein erscheint Dies läftt sich vielmehr erst aus der 
Curve der Urtheile selbst erschliefsen. Es kamen auch gelegentlich
        

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