Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maaßbestimmungen über die Reinheit consonanter Intervalle
Person:
Stumpf, C. M. Meyer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36179/78/
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C, Stumpf und M. Jfepr. 
So wird es namentlich auch auf die Accentvertheilung ankommen. 
Ich zweifle kaum» dafs gute Spieler z. B. die aufsteigende Octave 
beim Beginn des Mozàbt’sehen JSs-Bur-Quartetts durchschnittlich 
physikalisch rein intoniren, ohne Neigung zur Vergröfserung. 
Wir müssen immer im Auge behalten» dafs die isolirten Octaven, 
die wir hier mit Beseitigung aller Intensität«- und sonstigen 
Unterschiede vorlegten, gewissermaafsen Abstractionen sind, an 
denen sich ein Niederschlag musikalischer Erlebnisse geltend 
machen kann, dafs aber in der Wirklichkeit die Umstande des 
einzelnen Falles viel ausschlaggebender sein können. Wir haben 
einen Leichenbefund aufgenommen und etwa eine Herzvergröfse- 
rung gefunden» aber wie das Herz dann und dann geschlagen 
hat, können wir daraus nicht entnehmen. 
Bei der kleinen Terz ist ihres Charakters wegen die ab¬ 
steigende Bewegung natürlicher. Doch wird das ästhetische 
Motiv, durch welches sie noch mehr verkleinert wird» gleichwohl 
auch bei ihr am stärksten dann wirken» wenn die Tonbewegung 
in der Richtung stattfindet, in der wir die Burterz zu beurtheilim 
pflegen: denn nur dann kommt uns der Gegensatz der zurück 
gehaltenen Bewegung zur Halbtonstufe und der frei zum Ganz¬ 
ton fortschreitenden zum Bewufstsein, wenn die Bewegung in 
gleicher Richtung stattfindet Bas Moll wird am Bur ge¬ 
messen. Baraus liefse sich verstehen» warum die Neigung zur 
Verkleinerung der kleinen Terz sich gleichfalls am meisten bei 
aufsteigender Bewegung zeigt (1. Cap.). 
Zu dem genannten Motiv der Vergröfserung aufsteigender 
grofser Terzen» Quinten und Octaven kommt ein weiteres Motiv 
noch bei Sängern und solchen, die viel singen hören. Der 
Sänger und mit ihm der Hörer fürchtet eine zu tiefe Intonation 
bei aufsteigenden Intervallen mehr als eine zu hohe» einfach 
weh die Gefahr des Betonirens in Folge der natürlichen Träg¬ 
heit des Organs und bei höheren Lagen in Folge der erforder¬ 
lichen Anstrengung" gröfser ist als die Gefahr zu hoher Intonirung. 
Es giebt zwar auch Sänger und zumal Sängerinnen, die consequent 
zu hoch singen» aber der Fall ist weit seltener. Dafs man, aber 
auch beim blofsen Singenhören von diesen Gefühlen mitafficirt 
ist» werden Viele bestätigen. Ich habe nicht selten beim An¬ 
hören nicht ganz sicherer Solisten oder Chöre ©in Gefühl reeller 
Anstrengung im Kehlkopf, und Andere geben sogar an» dafs sie 
sich an Stehe des Sängers heiser fühlen.
        

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