Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Maaßbestimmungen über die Reinheit consonanter Intervalle
Person:
Stumpf, C. M. Meyer
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36179/72/
392 
C» Stumpf miA M, Meyer. 
deckt oder nicht, und in welcher Richtung er davon, abweicht 
Ein solches Urthoil ist, wie gesagt, selbst dann, wenn die beiden 
Tonabstinde in sinnlicher Wahrnehmung zum Vergleich gegeben 
werden, nur sehr unbestimmt: wie viel weniger würde es Mn- 
reichen, wenn der ©ine davon nur innerlich reprodueirt wird» 
Aber auch die Verschmelzung, das primäre Merkmal des 
Intervallbegriffes, gestattet keine so feinen Unterscheidungen. 
Sonst würde man sich nicht streiten können, ob die grofse und 
die Meine Terz, ob Terzen und Sexten sich in dieser Hinsicht 
noch unterscheiden. Es sind nur die groben Abstufungen 
zwischen den Hauptclassen der Intervalle nach Consonanz und 
Dissonanz, die so ixirt werden können. 
Indem ich unsere Frage während der Versuche stets, im 
Auge behielt, auch mit anderen Beobachtern darüber sprach, bin 
ich selbst von der früher gehegten Meinung abgekommen, als 
ob es sich bei den hier wahrgenommenen feinsten Verstimmungen 
um merkliche Veränderungen der Verschmelzung handelte, und 
sehe mich vielmehr zu der Anschauung geführt, d&fs ein Un¬ 
lustgefühl bestimmter Art uns hierüber Aufschlufs giebt 
Wir bezeichnen es bei den vergröfscrten Intervallen als das der 
Spannung, Schärfe, Ueberreizung u. dgl, bei den ver¬ 
kleinerten als das der Mattigkeit, Schalheit, Stumpf¬ 
heit u. dgl.1 
Dieses Gefühl mufs sich auf Grund einer angeborenen Mit¬ 
gift im Laufe der individuellen Hebung zu einer so aufserordent- 
lichen Feinheit entwickeln. Es kann aber nicht durch die Wahr¬ 
nehmung der Verschmelzungsunterschiede bedingt sein, sonst 
würde eben diese Wahrnehmung so fein sein, wie wir es selbst 
finden. Es mufs vielmehr direct durch den sinnlichen Eindruck 
der bezüglichen ! öne, wenn sie nacheinander oder zugleich ge¬ 
geben werden, bedingt sein. Aber es mufs doch auch, wie die 
Ergebnisse des zweiten Capitals und sonstige Beobachtungen 
(z.B. S. 369 Aim,) zeigen, durch Nebenumstände, durch zeitweilig© 
Gewöhnung, durch Contrast u. s. f. modificirbar sein, sodafs der 
subjective Reinheitspunkt sich dann für uns verschiebt 
1 Ganz ebenso beschreibt M, Planck den Eindruck in der S. 828 er 
wähnten Abhandlung, Auch über die zeitweilig© Accommodation des Gehöre 
.an, ein© gewiss© Stimmung eines Intervalls findet man daselbst lehrreiche 
Bemerkungen, die durchaus unseren Wahrnehmungen entsprechen.
        

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