Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erwiderung [anläßlich des Meyerschen Nachtrages zur Abhandlung "Ueber Tonverschmelzung und die Theorie der Consonanz", Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1898, Bd. 18, S. 274-293]
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36177/8/
Erwiderung. 
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Setzung der früheren bilden, mufs ich jede Hoffnung auf Ver¬ 
ständigung auf geben. 
Ein Wort noch Iber gewisse neue positiv© Zusätze zu Meyeb’s 
Theorie. Die Unmusikalischen sollen, wie wir von früher wissen, 
die Mehrheit der Töne nicht wahrgenommen, sondern nur auf 
sie gerathen. haben. Dagegen haben sie, wie wir jetzt erfahren, 
die Verschmelzung oder Consonanz direct wahrgenommen (S. 276,7, 
285). Hierunter versteht aber Meyeb „Einheitlichkeit“ in dem 
Sinne wie bei einem einheitlichen Bauwerk, „Zusammengehörig¬ 
keit der Theile, gewisse Beziehungen der Theile zu einander“ (S. 287). 
Ich frage nun: wenn man gewisse Beziehungen der Theile zu 
einander wakmimmt, mufs man da nicht vor allem die Theile 
von einander unterscheiden, also ihre Mehrheit wahrnehmen? 
Wie stimmt dies aber mit dem ersten Satz? 
Ferner erhalten wir Erläuterungen über jenes „harmonische“ 
Etwas, woraus nach Mbybb die Unmusikalischen auf die Mehr¬ 
heit der Töne in einem Klange seMiefgen (XVII, 407, 411, 414), 
Ich batte, um diesem mysteriösen Begriff eine fafsbare Deutung 
zu geben, ihn vermutungsweise auf die Gefühlswirkung des 
Klanges bezogen (ib. 429) und dachte damit Meyeb entgegenzu¬ 
kommen. Er lehnt diese Deutung nun ab und bezeichnet die 
Eigentümlichkeit als eine solche der Empfindung selbst 
Aber was für eine Eigentümlichkeit der Empfindung mag es 
sein? Nun ist ja die Sache noch mysteriöser geworden, wir 
stehen vor einem vollkommenen X, das nicht mit einem Wort 
näher charakterisirt wird. Und das soll, ©ine psychologische 
Theorie sein, soll uns im Geringsten aufklären? 
Zu den fünf Schlufsthesen Meter’s bemerke ich, dafs ich 
die zweite in der vorigen Abhandlung nicht finden kann, 
dafs dagegen die bestimmte Behauptung in Hinsicht der Un¬ 
musikalischen, die dort im Vordergründe stand, auf welch© sich 
der ganze Abschnitt „Kritik der bisher zur Untersuchung der 
Ton Verschmelzung angewandten Methoden“ fast aussehliefsliek 
bezog, und gegen welche daher auch meine Antikritik fast aus- 
schliefslich gerichtet war, unter den fünf jetzigen Thesen fehlt 
Denn die 4, These, die etwa hierher gezogen werden könnte, 
sagt nur, dafs man Unmusikalische durch Fragen über Einheit¬ 
oder Mehrheit zur Beobachtung der Consonanz (Verschmelzung) 
veranlassen könne; was ich nicht leugne.1 Sie sagt aber nichts 
1 Habe ich doch selbst io der Toapsychologie erwähnt, dafs die Ver-
        

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