Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erwiderung [anläßlich des Meyerschen Nachtrages zur Abhandlung "Ueber Tonverschmelzung und die Theorie der Consonanz", Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1898, Bd. 18, S. 274-293]
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36177/3/
296 C. Stumpf. 
Theilnahm© an den theoretischen Hebungen des Seminars weife, 
genaueste Fassung der Definitionen ■— wo solche überhaupt 
möglich sind — und der ScMuMoigemngen für unerläfslich an- 
zusehen. Wenn er daher die Unbestimmtheit seiner Definition 
der „Unmusikalischen“ damit entschuldigt, dafs .auch bürgerliche 
Gesetze manchmal zu kurz und in Folge dessen zu allgemein 
gefafst seien, so kann ich dies nicht gelten lassen. Solen uns 
schon bürgerliche Gesetze zum Muster dienen,, so sind dock 
selbst 'die schlechtesten darunter noch besser gefaM als jene 
Definition, selbst nach ihrer authentischen Erläuterung.1 
Ich kann m ebensowenig gelten lassen, wenn er die damals 
ganz allgemein hingestellte Definition nun bloß auf gewisse 
specielle Versuchspersonen bezogen haben will. Eu einer allge¬ 
meingültigen Definition will er gar keine Veranlassung gehabt 
haben — und dabei war sie ausdrücklich als die Voraussetzung einer 
Theorie über das Urtheilsverhalten Unmusikalischer bezeichnet, die 
nur die nähere Entwickelung jener Definition ist und die über¬ 
haupt keinen Sinn hätte, wenn sie nicht allgemein verstanden sein 
sollte.® Die Definition soll sich nur auf Urtheilssubjecte wie die 
meinigen beziehen — und dabei liegen meine Versuche um 10 
bis 22 Jahre zurück und hat Meyeb von meinen Versuchs¬ 
personen nicht di© geringste directe Kenntnifs, während ich aie 
seinerzeit nach .allen Richtungen, ganz besonders auch mit 
Rücksicht auf mittelbare Uriheilskriterien (deren allgemeine Be 
deutung für Sinnesurtheile ich selbst zuerst hervorgehoben habe) 
1 Um mm einen Punkt herauszagreifen, m wird jetzt die „be¬ 
schrankte Klangdauer“ näher erläutert, und die Definition lautet in 
Folge dessen also: „Unter Unmusikalischen ▼erstehen wir solche Per¬ 
sonen, die bei beschränkter, aber für jeden Musikalischen inter 
gleichen Bedingungen vollkommen ausreichender, Klangdauer nur aus¬ 
nahmsweise im Stande sind in analysiren.“ 
Wm verstehen wir nun aber unter Musikalischen? — Die gan« 
Erklärung läuft jetzt darauf hinaus, dafs unmusikalisch ist, wer das nicht 
kann, was Musikalische können. Man mag dann freilich eben so lehrreich 
hinaufügen, dafs musikalisch ist, wer das kann, was Unmusikalisch© nicht 
können. 
1 Ich bitte Mer den Leser, den Abschnitt von Mini's Abhandlung 
(XVII, 413 f.) nachzulesen : „In der frühesten Jugend, wo di© Spache sich 
entwickelt und da«. Kind die wichtigsten Begriffe bildet“ u. s. f. — 
und. sich dann zu fragen, ob dies anders als allgemein verstanden werden 
kann.
        

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