Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erwiderung [anläßlich des Meyerschen Nachtrages zur Abhandlung "Ueber Tonverschmelzung und die Theorie der Consonanz", Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1898, Bd. 18, S. 274-293]
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36177/2/
Erwiderung. 
295 
Mit diesen Zugeständnissen können wir Früheren zu¬ 
frieden sein. 
Die Theorie selbst sucht Meyer durch eine aus Faist’s Ver¬ 
suchen berechnete Tabelle aufs Neue zu stützen. Aber wenn 
eine Lehre der Wirklichkeit so offen widerspricht wie die seimige, 
so kann die beste Erklärung daraus nichts nützen. Was hilft ein 
durchlöcherter Rock, wenn er noch so gut sitzt? Ich werde 
demnächst zeigen, dafs man für die fragliche Erscheinung (ihre 
einwandfreie Constatirung vorausgesetzt) ©ine Erklärung geben 
kann, welcher auch Meybb nahegekommen ist, an deren richtiger 
Fassung ihn aber eben seine Theorie der Unmusikalischen ver¬ 
hinderte, während sie sich vollkommen in die bisherige Auf¬ 
fassung einfügt. Ich gehe aber absichtlich hier nicht darauf 
ein, um nicht die Meinung zu begünstigen, als ob an diesem Punkte 
die Entscheidung läge. 
Die Unmöglichkeiten aber, die ich in seinen Aufstellungen 
nachgewiesen, sucht Meyer nunmehr auf ein© zu kurze Aus- 
drucksweise zurückzuführen und durch ausführliche Erläuterungen 
dessen, was er sich dabei gedacht habe, zu heben. Wäre eine 
Verständigung auch hierin zu hoffen, so würde ich nun wieder 
auf alle Einzelnheiten ©ingehen und ihn zu überzeugen ver¬ 
suchen, dafs auch so nicht durchzukommen ist; dafs man aufser den 
Menschen, die regelmäfsig alle Töne aus einem Zusammenklang 
heraushören, und denen, die keine Töne heraushören, solche 
unterscheiden mifs, die unter gleichen Umständen nur einige 
Tine heraushören, oder bald Töne heraushören, bald nicht; 
dafs ferner zu dieser Classe die Mehrzahl sowohl der Musikali¬ 
schen als der Unmusikalischen gehört, während die beiden ande¬ 
ren Classen relativ seltene Extreme darstellen ; dafs Musikalische 
und Unmusikalische sich innerhalb der genannten Classe nur 
graduell unterscheiden; dafs die von mir und Faist benützten 
Unmusikalischen nicht zu den seltenen Extremen, sondern zu 
den/Vielen gehören,'die in einem Zweiklang die beiden Grund¬ 
töne bald heraushören bald nicht; dafs dagegen Meyee’s all¬ 
gemeine Theorie der Unmusikalischen lediglich auf die Extremen 
palst, die wir absichtlich und ausdrücklich von den Versuchen 
ausgeschlossen haben. 
Aber wir hegen offenbar verschiedene Anschauungen über 
das, worauf es bei einer wissenschaftlichen Discussion in erster 
Linie ankommt. Ich pflege, wie mein Kritiker ans jahrelanger
        

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