Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Erwiderung [anläßlich des Meyerschen Nachtrages zur Abhandlung "Ueber Tonverschmelzung und die Theorie der Consonanz", Zeitschr. f. Psychol. u. Physiol. d. Sinnesorg., 1898, Bd. 18, S. 274-293]
Person:
Stumpf, C.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36177/1/
Erwiderung, 
Von 
C. Stumpf. 
In Being auf den ersten wesentlichen Punkt unserer Contro¬ 
verse, die Anwendbarkeit von obertonhaltigen Klängen zur Fest¬ 
stellung der Verschmekungsth&tsachen, gesteht Meykb nunmehr 
su, dafs seine vorher allgemein und apodiktisch ausgesprochene 
Forderung, man dürfe nur einfache Töne verwenden, lediglich 
bedingungsweise gilt Früher hörten wir (XVII, 402), bei director 
Beobachtung durch Musikalische habe man „gar kein© Sicherheit 
dafür, dafs das Urtheil durch die Beitöne unbeeinflufst ge 
hieben sei“ Jetzt: „Die Obertöne können auf die Leichtigkeit 
oder Schwierigkeit des Heraushörens der Grandtöne kaum einen 
Einfl'ufs ausüben.“ Dafs die Verschmelzung selbst durch die 
Beitöne nicht geändert wird, hat Meter ohnedies auch schon 
damals anerkannt An meinem Hinweis, dafs die Consonant* 
unterschiede seit undenklicher Zeit an obertonhaltigen Klingen, 
beobachtet worden sind, hat er jedoch auszusetzen, dafs auf 
^diese Weise in. der Praxis doch nur die allergröbsten Consonant 
unterschiede festgestellt seien. Dies klingt so, als wenn irgend 
Jemand, etwa er selbst, noch mehr Abstufungen als die Musiker 
beobachtet hätte. Mir ist nichts davon bekannt geworden. 
Bei Unmusikalischen war es früher „ganz gelbstverständtcl, 
dafs die Differenz- und Obertöne das Urtheil beeinflussen“ (s. das.) 
Jetzt gilt es nur bedingungsweise, für den Fall nämlich, daft 
man seine Theorie zu Grande lege, wonach diese Individuen 
eine Mehrheit von Tönen in einem Zusammenklang fast aus¬ 
nahmslos nur erschliefsen, nicht wirklich wahmehmen ; weil dama 
die Klangfarbe als solche entscheidenden Einflufs auf das Ur 
theil gewinnen kann. Gehe man nicht von dieser Theorie am 
dann könne die Anwendung solcher .Klänge in der That sogar 
vorteilhaft sein.
        

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