Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Schätzung leerer, von einfachen Schalleindrücken begrenzter Zeiten
Person:
Schumann, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36135/33/
Zur Schätzung leerer, von einfachen, Schalleindrücken begrenzter Zeiten, 33 
„länger14 und ein anderes zum Urtheil „kürzer44 angetrieben. 
Dies wird sofort erklärlich, wenn wir bedenken, dafs vor dem 
abschliefsenden Signal mit seiner Ueberraschung event. eine 
Erwartungsspannung vorangeht. Hier kann die Ueberraschung 
zum Urtheil „kürzer“, die Spannung zum Urtheil. „länger44 an¬ 
treiben. Ist die Spannung sehr schwach, so kann die nach¬ 
folgende Ueberraschung bewirken, dafs sie für das Urtheil un¬ 
wirksam wird; ist sie dagegen stark, so wird die Versuchsperson 
wohl das Hauptgewicht auf sie legen, weil sie den Eindruck der 
Dauer liefert. 
In ähnlicher Weise habe ich dann mit einer zweiten Ver¬ 
suchsperson (Dr. phil. Wentscher) Versuche angestellt, indem 
ich sie auch erst auf die Zeitsehätzung einübte, bis sie gut 
schätzen konnte. Ich operirte mit 7 verschiedenen Differenzen 
± 0, Vioi %o> %c> un(^ einer Hauptzeit von 330 a. Bei der Hälfte 
der Nullfälle (d. h. der Fälle, in denen Haupt- und Vergleichs¬ 
zeit gleich waren) wurde ohne Vorwissen der Versuchsperson 
das dritte Signal verstärkt. Es ergab sich für die Nullfälle: 
Alle Signale gleich 19 l 16 g 3 k 
Drittes Signal verstärkt 5 l 10 g 23 k. 
Auch diese Zahlen ergeben mit gröfster Deutlichkeit ©ine 
scheinbare Verkürzung des zweiten Intervalles. 
Ich bemerke noch besonders, dafs diese Versuchperson ganz 
unvoreingenommen war, da sie sich bis dahin mit der Frage der 
Zeitschätzung überhaupt noch nicht befafst hatte. Vor Beendi¬ 
gung der Versuche haben wir auch absichtlich mit einander 
nicht über die Frage der Zeitschätzung gesprochen. 
Bei einer Hauptzeit von % Secunden, mit welcher ich vorher Ver¬ 
suche gern,acht hatte, erhielt ich nicht dasselbe Resultat. Dies erklärt sich 
in einfacher Weise daraus, dafs Dr. Wkntscheb, wie er angab, bei diesen 
gröfseren Zeiten auf Grund eines anderen mittelbaren Kriteriums schätzte. 
Er „tactirte nämlich innerlich mit“ und theilte die Zeiten in kleinere, 
durch „motorische Rucke“ begrenzte ein. Seine Schätzung beruhte dem¬ 
nach auf dem motorischen Automatismus. 
In demselben Sinne, sagten ferner zwei weitere ungeübte 
Versuchspersonen aus, die ich gelegentlich prüfte, ohne indessen 
systematische Versuchsreihen mit ihnen anzustellen (Dr. Max 
Mbver und Stud, phil Kühl). Beide Herren gaben sofort bei 
Verstärkung des dritten Signales das Urtheil „kürzer44 mit gröfster 
Sicherheit ab, während sie sonst nur sehr unsicher urtheilten. 
Zeitschrift für Piyclologi© XVIII. 3
        

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