Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Schätzung leerer, von einfachen Schalleindrücken begrenzter Zeiten
Person:
Schumann, F.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36135/23/
Zur Schätzung leerer, von ein fachet% SchaÜeitidriicken begrenzter Zeiten. 23 
Erwartung einer gröfseren oder kleineren Vergleichszeit ein- 
treten, doch handelt es sich clabei um die dem Versuche vor¬ 
ausgehend© Erwartung, von der die in einem bestimmten 
Moment© eintretende Erwartung des dritten Signals verschieden 
ist, wie ich dies schon oben (S. 71) ausführlich auseinander ge¬ 
setzt habe. 
in. 
Sind nun schon die Einwind© gegen meine Theorie wenig 
stichhaltig, so wird dieselbe durch die folgenden Versuchsthat- 
sachen und Aussagen von Versuchspersonen über innerlich Er¬ 
lebtes geradezu bewiesen. 
1. Sehr erfreut bin ich, dafs ich mich auf Beobachtungen 
von Hbbbabt 1 berufen kann, der doch gewifs ein ganz unver¬ 
dächtiger Zeuge ist Er hat schon festgestellt, dafs es bei Schlag¬ 
folgen einen Unterschied des Bequemen im Gegensätze des Lang¬ 
samen und dos Geschwinden giebt, indem ©r beobachtete, dafs bei 
den langsamen Schlagfolgen ein Gefühl des Aufschubs und des 
Wartens erzeugt wird, bei den schnellen ©in Gefühl der Auf¬ 
regung. Er bemerkt hierüber: „Gesetzt der nächstfolgende 
Schlag komme später: so hat'sich, weil derselbe schon innerlich 
vorgebildet wurde, ein Gefühl des Aufschubs und des Wartens 
erzeugt., welches selbst ein Gegenstand der inneren Apperception 
wird; die Folge der Schläge wird nun als mehr oder weniger 
langsam empfunden. Der nächstfolgende Schlag kommt früher: 
so beschleunigt er die Reproduction und es entsteht ein Gefühl 
der Aufregung; für die Apperception die Empfindung des 
Schnellen und Eilenden.“ Diese Gefühle sollen uns dann auch 
als Zeitmaafs dienen. So sollen wir beim Versuch, im äufseren 
Handeln eine Schlagfolge hervorzubringen, welche einer ge-i 
hörten ähnlich ist, zunächst probiren. Wenn wir nun nicht zu¬ 
fällig gleich das rechte Maafs träfen, so entstände nicht dasselbe 
Gefühl des Langsamen oder Schnellen oder Bequemen, und wir 
probirten dama durch Abänderung des Versuchs weiter, bis eine 
dasselbe Gefühl hervormfende ScMagfolge entstände. Für die 
„bequeme“ Schlagfolge giebt dann Hebbabt ungefähr denselben 
Werth an wie Vibbobbt für die „adäquate“ Zeit : Eine bequeme 
1 Herbabt* s sämmtliche Werke, herausgegeben von Hartenstein Bd. VII, 
S. 310.
        

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