Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Zur Frage von der alkoholischen Gährung ohne lebende Hefezellen und über die Gährung im Allgemeinen
Person:
Manasseïn, Marie von
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36128/1/
Zur Frage von der alkoholischen (iähruug 
ohne lebende llefczellen nnd über die (iährnng im Allgeineiucn. 
Von ÎVlarie von Manassem, 
Ehrenniitglied der Medieinisclien Gesellschaft von Ost-Sibirien, Mitglied der Kaiserlicken Ge¬ 
sellschaft der Freunde der Naturwissenschaften, Antropologie und Ethnographie zu Moskau etc. 
Von mehr als 26 Jahren, d. h. am 9-ten April 1871, habe ich meine 
Arbeit über die alkoholische Gährung in deutscher Sprache geschrieben. Das 
Hauptresnltat dieser Arbeit wurde von mir in folgenden Worten ausgedrückt: 
 Stuttgart 1872 (abgeschlossen 1. September 1871) in deutscher Sprache 
veröffentlicht (pp 116—128). 
Zur Tödtung der Hefezellen habe ich Folgendes angewandt: 1) wurden 
die Hefezellen in einem Mörser zerrieben, wobei dieselben mit feingepulvertem 
Bergkrystall vermischt waren. Vor dem Zerreiben wurde die Hefe fein zertheilt 
und dann sorgfältig in der Luft getrocknet. Das Zerreiben mit dem gepulver¬ 
ten Bergkrystall währte 15 Stunden, und wenn man darauf die zerriebene 
Masse mit dem Mikroskope untersuchte, so konnte man in der Mehrzahl der 
Präparate, bei der genauesten Untersuchung, nichts als gänzlich zerstörte He¬ 
fezellen sehen und nur in einigen von ihnen fanden sich wenige Hefezellen, 
die noch gewissermassen die Form einer Hefezelle behielten, dabei aber 
ganz blass aussahen und keine Spur vom feinkörnigen Plasma, noch Vacuolen 
zeigten. Diese blassen Zellen sahen gerade so aus, als ob von der Hefezelle 
nur noch die leere Zellmembran zurückgeblieben wäre. In Gährflüssigkeit versenkt, 
zeigte aber die zerriebene Hefe schon nach einigen Tagen nicht nur eine lebhafte 
Gährung, sondern auch eine reichliche Sprossung von normalvacuolisirten Hefezel¬ 
len. Diese Methode des Zerreibens der Hefe war übrigens schon früher von Profes¬ 
sor Lüdersdorff angewandt, wie ich das schon in meiner ersten Arbeit erwähnt habe; 
2) habeich das Erwärmen der Hefezellen im Luftbade bis zu 225uund selbst bis 
zu 295° oder sogar bis 305° C. angewandt; dabei wurde die Hefe mehr oder 
weniger verkohlt; aber trotzdem hat diese verkohlte Masse, nachdem dieselbe 
in ein sterilisirtes mit sterilisirter Gährflüssigkeit gefülltes Probirgläschen hinein¬ 
gelegt worden war, stets schwache oder selbst kaum bemerkbare Spuren einer 
alkoholischen Gährung gegeben, so weit man über das Vorhandensein dersel¬ 
ben nach dem Erscheinen der Iodoformkrystalle bei Anwendung der Lieben’schen
        

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