Bauhaus-Universität Weimar

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A. Brückner 
bezüglichen Rechnungen bilden einen anschaulichen Beweis für 
das oben wegen der verschiedenen Lage der Maxima der Eich¬ 
kurven bei verschiedenen Spektren Gesagte. Obwohl der Adap¬ 
tationszustand nicht nähere Berücksichtigung gefunden hat, lassen 
sich, wie unten gezeigt werden wird, die Kurven als gut ver¬ 
gleichbar heranziehen. Daraus ist zu sehliefsen, dafs die Forscher 
ihre Untersuchungen bei ausreichender Helladaptation angestellt 
haben. 
In der Literatur über Farbensinnstörungen, soweit sie sich 
mit den theoretischen Fragen auf Grundlage von Eichkurven 
befassen, wird immer wieder darauf hingewiesen, dafs von seiten 
der HERiNGschen Schule die Forderung auf experimentelle Er¬ 
mittelung von Eichkurven für die HERiNG’schen vier Grund¬ 
farben nicht erfüllt sei, so dafs die Eichungen mit drei Lichtern, 
wie sie vor etwa 30 Jahren von König und Dieterici ausgeführt 
wurden, immer noch die Grundlage für die Charakterisierung 
namentlich des normalen (trichromatischen) Farbensystems bilden. 
In neuerer Zeit ist freilich dieser Forderung wenigstens zum 
Teil durch Untersuchungen aus dem TscHERMAKschen Institute 
in Prag, die von Goldmann mitgeteilt worden sind, Rechnung 
getragen worden, wenn auch Eichkurven in dem üblichen Sinne 
für normale Farbensysteme in der betreffenden Arbeit nicht ent¬ 
halten sind. 
Unter diesen Umständen glaube ich berechtigt zu sein, über 
Untersuchungen zu berichten, die ich vor fast einem Viertel] ahr- 
hundert im Leipziger physiologischen Institut auf Veranlassung 
meines verehrten Lehrers Hering nach einer von ihm vor¬ 
geschlagenen Methode am damaligen Modell des grofsen Hering- 
schen Spektralapparates ausgeführt habe. Die Veröffentlichung 
dieser Versuche unterblieb seinerzeit aus verschiedenen Gründen. 
Sie waren vor allem als mehr vorläufig gedacht und sollten evtl, 
später noch genauer durchgeführt werden. Hierzu war ich selbst 
nicht in der Lage, weil ich damals Leipzig verliefs, um mich 
praktisch-klinischer Tätigkeit in Würzburg zu widmen. Eine 
Fortsetzung der Untersuchungen im HERiNGschen Institut von 
anderer Seite ist nicht erfolgt und es besteht auch keine Aus¬ 
sicht, dafs dieses jetzt noch nachgeholt wird, weil zehn Jahre 
seit dem Tode von Hering verflossen sind. — Nur die Arbeit 
von Brücke und Inouye, die nach ganz ähnlicher Methodik die 
Eichkurven für einen Grünblinden (Brücke) ermittelte, ist aus
        

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