Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über gleichsinnige Induktion und die Lichtverteilung in gitterartigen Mustern
Person:
Prandtl, A.
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36107/25/
Gleichsinnige Induktion und die Lichtverteilung usw. 
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Streifen umrahmten Quadrats geniefst keine Bevorzugung. Läfst 
man die eine Streifenlage die andere in einem von 90° ab¬ 
weichenden Winkel überschneiden, so dafs das ganze Muster aus 
Rhomben besteht, so ist es leichter, die Spinnwebfäden in der 
kürzeren als in der längeren Diagonale zu sehen, obwohl auch 
in letzterer Richtung die Beobachtung unter Umständen nicht 
schwer fällt. 
„Lichter“ sowohl wie „Spinnwebfäden“, namentlich aber die 
letzteren, wTerden schwächer oder gänzlich unsichtbar, sowie man 
unmittelbar den Blick darauf richtet; sie sind insbesondere im 
indirekten Sehen und namentlich im ersten Augenblick der Be¬ 
obachtung oder nach vorausgegangener Augenbewegung sichtbar. 
Im übrigen ist die Lichtverteilung in unserem Muster auch 
sonst nicht vollständig regelmäfsig. Der Papiergrund erreicht 
kaum die Helligkeit der Partien, die aufserhalb der Abbildung ge¬ 
legen sind; doch ist die zusätzliche Dunkelheit, die sich findet, 
nicht gleichmäfsig über das ganze Muster verbreitet, sondern er¬ 
scheint hier und dort in Gestalt von verwaschenen grauen Flecken 
oder aber diffusen, breiten Streifen, neben denen wieder hellere 
Streifen hervortreten, die in diagonaler Richtung über die ganze 
Abbildung hinweggehen und den Charakter jenes Flimmerlicht& 
zeigen, das wir bei einfachen Reihen paralleler Streifen bereits, 
freilich stärker in die Erscheinung tretend, kennen gelernt haben. 
Auch bei unseren Gittermustern mit zwei Reihen paralleler Ge¬ 
rader ist die induktive Durchdringung also nicht vollkommen 
aufgehalten, obwohl merklich geschwächt, verglichen mit dem 
Verhalten einfacher Parallelenreihen. 
Wir möchten in diesem Zusammenhang übrigens noch auf 
eine Erscheinung hinweisen, die an einfachen Parallelenreihen 
zu beobachten ist und für die eben berührten Eigentümlich¬ 
keiten von Gittern mit zwei Reihen sich schneidender Parallelen 
offenbar ebenfalls eine gewisse funktionale Bedeutung besitzt. 
Betrachtet man nämlich einen Komplex einfacher, dicht 
aneinandergereihter paralleler Streifen, so wird nach einiger Zeit 
ein eigenartiges Bewegungsphänomen sichtbar, indem ein feines 
Fluidum, ein schwer beschreibbares Etwas sich ungefähr im 
rechten Winkel gegen die Richtung der Streifen bewegt. Wichtig 
ist es für den Eintritt der Erscheinung, dafs sich das Muster 
über einen gröfseren Teil des Sehfeldes ausdehnt, und vorteil¬ 
haft auch, wenn die Streifen und die Intervalle zwischen ihnen
        

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