Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genauigkeit der Intonation beim Instrumentalspiel
Person:
Guttmann, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36106/8/
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Alfred Guttmann 
zwei weitere Mitglieder des Quartetts (die 2. Violine und die 
Bratsche) ebenfalls zugleich denselben 74-Ton intonierten, und 
im gleichen Sinne Abweichungen produzieren würden. Soll man 
in einem solchen Falle vom Hörer erwarten können, dafs er aus 
diesem Wirrwarr von Schwingungen, das den völligen Eindruck 
eines Tremolos machen würde, die Vorstellung einer Tonhöhe 
gewinnen soll?! Allen diesen Intervallen ist also nur das eine 
gemeinsam: dafs sie gröfser als ein Unisono, kleiner als ein Halb¬ 
ton sind. Aber ob man 74-Ton oder 1l10-Ton spielt, liegt nicht 
mehr im Bereich der Ausführungsmöglichkeit der Spielenden. 
Unsere, aus den Gesangsversuchen abgeleitete theoretische 
Annahme, dafs es bei den so aufserordentlich geringen Tonhöhen¬ 
unterschieden von Viertelton einerseits und (chrom. resp.) kleiner 
Sekunde andererseits nicht möglich sein kann, bei unserer immer¬ 
hin beschränkten U.-E. in dem in Betracht kommenden Ton¬ 
gebiet und mit unserem unvollkommenen Nervenmuskelapparat 
diese feinen Unterschiede zu treffen, bestätigt sich also auch hier. 
Selber ausgesuchte, hervorragend geeignete Musiker und Virtuosen, 
die sich dauernd auf diese Intervalle eingeübt haben, versagen. 
Wie verheerend mufs also Vierteltons-Musik gar in einem grofsen 
Orchester von Streichern wirken ! 
Ich komme, um an einem Beispiel die Parallele zu zeigen, 
noch einmal auf unsere Gesangs versuche zurück. Wenn man 
die extremen Fälle von Distonieren (z. B. auf einem h) und Des- 
tonieren (auf dem darüber liegenden c) berechnet, die bei einer 
und derselben Vp. vorgekommen sind, so findet man ganz iden¬ 
tische Verhältnisse — obwohl die Aufgabe, absichtlich einen Viertel¬ 
ton zu treffen, nicht direkt gestellt war. Ich gebe zuerst eine 
Übersichtstabelle über die gröfsten Abweichungen der Intona¬ 
tionen beim Singen von Unisono (in °/0). 
Vp. 1 Vp. 2 Vp. 3 Vp. 4 Vp. 5 Vp. 6 
Zu hoch: 2,8 4,4 2,5 1,0' 1,2 1,7 
Zu tief: 2,9 2,6 3,1 3,5 4,1 — 
Betrachten wir zunächst Vp. 3 und rechnen wir alles auf 
Tonhöhen um, so wird die Tonhöhe h statt mit 247 Schw. into¬ 
niert mit 253 Schw. Die Tonhöhe c statt mit 261,6 Schw. wird 
intoniert mit 253,5 Schw. Es ist also das von Vp. 3 am meisten 
distonierte h genau so hoch, wie sein am meisten destoniertes c! 
Noch krasser wird die Unsicherheit des Vierteltones sichtbar,
        

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