Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Genauigkeit der Intonation beim Instrumentalspiel
Person:
Guttmann, Alfred
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36106/6/
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Alfred Guttmann 
nur 3 Skalenteile: d. h. 15 Schw.! Bei Abweichungen von 2 
Skalenteilen in dieser Gegend hatten beide Streicher überhaupt 
keinen Unterschied erkannt (auch die anderen Vpn. nicht).1 
Unzweideutige Ergebnisse lieferten dann die photographischen 
Aufnahmen der Intonationen, die unsere Vp. auf ihren gewohnten 
Instrumenten spielten: 
Violine: Beim N.-T. von 279,5 Schw. ist die chromatische Se¬ 
kunde: 291,1 Schw., die kleine: 298,1. Der auf die erste be¬ 
zogene Viertelton ist danach: 285,3 Schw., der zweite 
288,8 Schw. Der Violinist intonierte: 281,5 Schw. Hier 
zeigt sich also ein erhebliches Destonieren, ganz gleich¬ 
gültig, auf welches der beiden Intervalle man diesen „Viertel¬ 
ton“ bezieht. Im ersten Fall (der nicht anzunehmen ist), 
wäre der Fehler des Destonierens : 1,1 %, im zweiten (wahr¬ 
scheinlichen) Falle wäre das Destonieren: 2,3 °/0. Anders 
ausgedrückt: nicht ein Viertelton, sondern ein Zwanzigstel¬ 
ton ist gespielt worden! 
Violoncello: Beim N.-T. von 250 Schw. wäre die chromatische 
Sekunde : 260,4 Schw., die kleine Sekunde 266,6 Schw. Dem¬ 
nach der auf die erste bezogene Viertelton: 255,2 Schw., der 
auf die zweite: 258,3 Schw. Der Cellist hat als Viertelton 
gespielt: 259,5 Schw. Umgerechnet auf die Hälfte des chro¬ 
matischen Halbtons wäre das ein Distonieren um 4,3%, be¬ 
zogen auf den kleinen Sekundenschritt: 0,5% zu hoch. 
Man erkennt also, dafs im Treffen des Vierteltones beide 
Spieler unter sich erheblich differieren. Sie weichen nach oben 
und unten um Differenzen ab, die so nahe an andere Tonhöhen 
als die des intendierten Vierteltones herankommen, dafs man sie 
auch als andere Intervalle auffassen kann— oder besser gesagt: 
dafs es kaum möglich ist, sie als Vierteltöne aufzufassen! 
Die folgenden Zeichnungen zeigen viel übersichtlicher, als 
alle Zahlen und Erklärungen, wie ungenau alle Intonationen sind. 
Noch mehr: sie zeigen, innerhalb wie weiter Grenzen über den 
Viertelton hinaus intoniert wird, wenn man Halbtöne oder Viertel¬ 
töne intonieren will. 
Auf der Abszissenachse sind die Schw.-Zahlen in gleichen Ab¬ 
ständen auf getragen. Oberhalb sind der Grundton (N.-T.), die 
1 Die gleichen Versuche mit dem Geiger vorzunehmen war leider 
wegen seiner vielen Konzertreisen und umfangreichen amtlichen Lehr¬ 
tätigkeit unmöglich.
        

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