Bauhaus-Universität Weimar

262 Alfred Gruttmann, Genauigkeit der Intonation beim Instrumentalspiel 
monischen System einfügen, musizieren, da diese die engsten 
Stufen sind, die man infolge der harmonischen Gewöhnung 
unterscheiden und technisch darstellen kann. Dafs in den tiefen 
Oktaven (dem grofsen Tongebiet, das unterhalb der grofsen 
Oktave liegt und in aller mehrstimmigen Musik dauernd ange¬ 
wendet werden mufs) selbst der Halbton bei gleichzeitigem 
Erklingen anderer Töne schon unterhalb der Empfindungs¬ 
schwelle liegt, ist ja besonders charakteristisch für dies gut¬ 
willige Heraushören einer vorgestellten Harmonie. Zahlreiche Mu¬ 
sikeranekdoten illustrieren dies, die alle darauf hinauslaufen, dafs 
es bei den tiefsten Tönen im Grunde gleichgültig ist, ob man 
da das Kontra-E oder Es oder F spielt — der Hörer, auch der 
geübteste Kapellmeister, kann es doch nicht unterscheiden ! Die 
Empirie des erfahrenen Musikers hat sich also hier schon früher 
eine richtigere Vorstellung gemacht, als die Musiktheorie. 
Somit bleibt nur ein ganz beschränktes Gebiet von Tönen 
und Instrumenten für eine Musik dieser neuesten Art übrig. 
Wir dürfen also hoffen, dafs die seit dreieinhalb Jahrhunderten 
geltenden harmonischen S}^steme, in der die Musik der grofsen 
Meister von Palesteina und Monteverdi bis zu der heutigen 
lebenden Generation, die in Wagners Spuren wandelt, geschaffen 
ist, nicht durch eine neue Unterteilung der Tonschritte in kleinere 
als Halbtonstufen zerstört werden.
        

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