Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Über die Abhängigkeit der Empfindungszeit des Gesichtssinnes von der Intensität und Farbe des Reizlichtes
Person:
Vogelsang, Kurd
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit36092/2/
Die Abhängigkeit der Empfindungszeit des Gesichtssinnes usw. 39 
dann immer langsamer ab, um sich allmählich auf eine minimale 
Empfindungszeit einzustellen. Auch F. F. Hazelhoff1 hat den 
Einflufs der Intensität des Lichtreizes auf die Empfindungszeit 
untersucht und in gleicher Weise wie Fröhlich gefunden, dafs 
die kürzesten Empfindungszeiten bei Anwendung starker Reize 
erreicht werden. Der von Pulfrich2 beschriebene Stereoeffekt 
beruht grade darauf, dafs bei verschiedener Intensität der Licht¬ 
reize, welche beide Augen treffen, die Empfindungszeiten ver¬ 
schieden grofs sind und zwar ist die des stärker gereizten 
Auges kürzer. 
Die Empfindungszeit, d. i. jene Zeit, welche zwischen dem 
Einwirkungsbeginn des Lichtreizes und dem Auftreten der mit 
dem Lichtreiz verknüpften Empfindung vergeht, ist bei der 
Durchführung der astronomischen Zeitbestimmungen wichtig. 
Man ist schon vor langer Zeit darauf aufmerksam geworden3, 
dafs die Geschwindigkeit, mit welcher der Lichtreiz aufgefafst 
wird, die astronomischen Zeitbestimmungen beeinflufst und dafs 
die Abhängigkeit der Empfindungszeit von der Helligkeit der 
Sterne, von der Geschwindigkeit, mit welcher sie sich durch das 
Gesichtsfeld des Fernrohres bewegen und von den individuellen 
Eigenschaften der Beobachter die grofsen persönlichen Differenzen 
bedingen, welche bei vergleichenden Zeitbestimmungen hervor¬ 
getreten sind. Zur Messung der Empfindungszeiten bzw. zur 
Analyse der persönlichen Gleichungen sind sowohl von den 
Astronomen als auch von den Psychologen eingehende Unter¬ 
suchungen unternommen worden, aus welchen auch die Abhängig¬ 
keit der Empfindungszeit von der Intensität des Lichtreizes zu 
ersehen ist. Diese Feststellungen wurden insbesondere mit Hilfe 
der Reaktionsmethode gemacht, die der heute noch vielfach ge¬ 
übten Messung der Reaktionszeit entspricht und bei Anwendung 
stärkerer Reize kürzere Reaktionszeiten ergibt. Bei einer Unter¬ 
suchung, welche die Beziehungen zwischen Empfindungszeit und 
Reaktionszeit behandelt, konnte ich nachweisen, dafs die gröfseren 
Reaktionszeiten bei Anwendung eines schwächeren Reizes nur 
durch die Zunahme der Empfindungszeit bedingt werden. Eine 
1 De Waarnemingstijd M. de Waal. Groningen 1923. Die Wahr- 
nehmungszeit. Zeitschr. f. Psychol. 96, 171. 1924; 97, 174. 1925. 
2 C. Pulfrich, Die Stereoskopie im Dienste der Photometrie und 
Pyrometrie. Berlin, Julius Springer. 1923. 
3 F. W. Bessel, Königsberger astronomische Beobachtungen. Bd. 8. 1823.
        

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